und Griechenland bis auf Philopömen. J67
durch ihn seinen wissenschaftlichen Ausdruck gefunden oder die Gestaltungdes Lebens unter dem Einflüsse seiner philosophischen Bestrebungen erfolgtsei. Der von ihm auf cprenäischer Grundlage aufgeführten Sittenlehrefolgte die Ausbildung einer entsprechenden Ansicht über die Natur derWelt und darin wurden die Götter zu einer solchen Gleichgültigkeitgegen die in der Natur vorgehenden Veränderungen, wie gegen dieGeschicke der Menschen, verurtheilt, daß die Lehre nur ein schwach ver-hüllter Atheismus schien. Die hellenistischen Höfe und die Haupthan-delsorte, welche die Mittelpunkte der griechischen Bildung waren,zeigten sich auch als die rechten Plätze für die Verwirklichung epikurei-scher Lebensweisheit und an ihnen entwickelte das System, wenn auchnicht nach Absicht seines Urhebers, doch in nothwendiger Ausbildung, alleseine verderblichen Folgen in einer Denk- und Lebensweise, nach welcherbald der Name eines Epikureers mit dem eines Wollüstlings gleichbe-deutend werden mußte. Wie in Alexandrien die Genußsucht unter denersten Ptolemäern noch durch sinnreiche Unterhaltung und wissenschaft-liche Thätigkeit veredelt war, unter den späteren aber aus dem Lönigs-palaste eine Schule der Sittenlosigkeit machte, durchlief auch im Privat-leben der Epikureismus alle Stufen von der Ergötzung durch künstlerischeZierlichkeit und Pracht bis zu der Verhöhnung jedes Sittengesetzes und,wenn sich epikureische Unsittlichkeit als solche auszeichnete, so war esnur durch die Kunst, mit welcher die sinnliche Lust verfeinert und erhöhtund ihr Genuß durch die Beimischung einer minder rohen Ergötzungverstärkt und verlängert wurde. Während die Lehre der Epikureer sich,weil sie den menschlichen Trieben ein Recht auf Bestimmung der Lebens-weise zusprach, einer Uebereinstimmung mit der Natur rühmte, so konntedie ihr entgegentretende Lehre der Stoiker es noch mehr, sofern sie diehöhere, vernünftige Natur in ihren durch die niedere, sinnliche stetsgefährdeten Rechten zu schützen bestrebt war. Schon die sokratischeLehre hatte in den mit dem Athener Antisthencs beginnenden Cynikerneine Schule hervorgerufen, wo die Tugend als das allein Schöne undErstrebenswerthe galt und ihr Wesen in freiwilliges Entbehren desGenusses und in Unabhängigkeit von den äußeren Dingen gesetzt wurde.Die Schule war, wie der auf hündische Lebensweise hindeutende Namebezeichnet, durch die Rauhheit, welche sie ihren Anhängern durch Ent-fernung auch von allen feineren Genüssen des Lebens mittheilte, inVerachtung gefallen und sowohl die epikureische Lehre des Genusses, alsdie akademische und skeptische Verläugnung sicherer Erkenntniß und da-her auch unbedingt gültiger Regeln des Lebens weckten in edleren undreineren Gemüthern das Bedürfniß nach einer die Sittlichkeit schützen-den und für das Leben bestimmte Wege vorschreibenden Lehre. Einesolche Lehre entwickelte sich in der durH Epikurs Zeitgenossen Zeno aus