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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
331
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Das Reich der Selcucidcn bis auf Antiochus VIl.

Jeder der beiden Kriege endet mit dem Zurückweichen des Königs ausKleinasien. Wie dieß aber geschieht, beginnt beide Male Malus, desEumenes Nachfolger und Sohn eines zweiten Bruders von Phile-tärus, gegen Antiochus einen Kampf für Vergrößerung des eignenReiches. Ein Sieg, den er nach dem ersten Bruderkriege über einwahrscheinlich von Antiochus entlassenes Gallierheer in der Nähe seinerHauptstadt im Jahre 238 erkämpft, gibt ihm den Muth, sich mit demDiadem eines Königs zu schmücken, und nach dem zweiten muß Antiochusvor ihm aus Kleinasien fliehen, um in Thracien unter Näuberhändenumzukommen. Was von Kleinasien nordwärts des Taurus den Selcu-ciden gehört hat, kommt für eine Zeitlang wenigstens in sofern unterMalus' Herrschaft, als es keinen andern Herrscher hat. Die Macht,die dieser gewann, wurde für das Land eine Wohlthat durch die damitverbundene Beschränkung der Gallier auf bestimmte Wohnsitze. Dasnordöstliche Phrygien von Pessinus an war das Gebiet, innerhalb dessensie ein seßhaftes Leben begannen, wenn sie auch in der Folge noch be-reitwillig bei den verschiedenen benachbarten Fürsten und freien StädtenSolddienfte nahmen und Schaaren von Landsleuten zuweilen noch ausThracien nachströmten, um sich nur allmälig in die staatliche Ordnungeinzufügen. Hier wohnten sie als drei verschiedene Stämme, die Tekto-sagen in der Mitte, zu beiden Seiten des Halpö, die Tolistobojer west-lich und die Trokmer östlich. Jeder dieser Stämme hatte wieder vierGaue und die Fürsten der Stämme hießen danach Vierfürften oderTetrarchen. In der Berührung mit umwohnenden griechisch redendenVölkern und in dem fortwährend durch den Solddienst fortgesetzten Ver-kehr mit der hellenistischen Welt wurden auch sie allmälig griechischerSprache und Bildung zugänglich und ihr Land, nach ihnen Galatien ge-nannt, erhielt wegen seines gemischten Gepräges auch den Namen Gallo-gräcien. Das Seleucidenreich aber gleicht einem verfallenden Baue. Klein-asien ist ganz verloren und in Syrien hat sich die ägyptische Macht in Se-leucia, das in dem großen Kriege des Ptolemäus Euergetes verloren ge-gangen und, nachdem es wieder gewonnen worden, noch einmal währenddes Bruderkriegs verloren gegangen ist, einen die Hauptstadt Syriens be-drohenden Standort gebildet. Seleukus verlor im Jahre 227 das Lebenauf einem Zuge über den Taurus, den er unternommen hatte, um nocheinen Versuch zur Wiedereroberung Kleinasiens zu machen, und ein glei-ches Schicksal traf drei Jahre später unter gleichen Umständen seinen älte-sten Sohn Seleukus Keraunus, der ihm in der Negierung gefolgt war.

3. Als Seleukus' zweiter Sohn, der dritte Antiochus, im Jahre224 die Regierung antrat, begann eine theilweise Wiederherstellung desReiches, indem der neue Herrscher, obgleich er den ihm von seiner Um-gebung beigelegten Namen des Großen nicht verdient, durch eine An-