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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
330
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ZZO Das Reich der Seleuciden bis auf Antiochus VIl.

sich auf der Grundlage einer nationalen Abneigung gegen das Hellem- ^stische Reich das parthische Reich unter Arsaces, dessen Herrschaft manvon dem Jahre 256 herschreibt. Die Nationalität, welche die Grund-läge dieses Reiches bildete, war aber nicht eine der medisch-persischenverwandte. Die Parther waren ein scythisches Volk, das bei demDrängen der Nomaden gegen Iran hin allmälig in den von Nordenher zugänglichsten Gegenden des Hochlandes, östlich von der Südosteckedes kaspischen Meeres, festen Fuß gefaßt und sich mit arischer Bevöl-kerung gemischt hatte. Hier waren, die kriegerischen Ankömmlinge derMacht einer höheren Bildung, welche sie vorfanden, erlegen und ihreSprache, das Pehlwi, bewahrt die Spuren dieses. Einflusses in einersichtbaren Annäherung an den Bau der Zendsprache und einer Bei-mischung von Bestandtheilen derselben. Die Nationalität, die mit Ar-saces hier zu einer höheren Geltung gelangte, war also eine der arischenund der griechischen gleich fremde, die sich wahrscheinlich zur Zeit derAuflösung des persischen Reiches durch den Zusammenhang mit den nord-wärts wohnenden Stammverwandten neu gestärkt hatte. Das neueReich gewann schon unter seinem Stifter die an den südöstlichen Gesta-den des kaspischen Meeres gelegene Provinz Hprkanien. Anfangs schiensich den syrischen Königen als Bundesgenossen gegen diesen neuen Feinddas baktrische Reich darzubieten; bald aber mußte dieses in dem parthi-schen Reiche seine eigene Vormauer erkennen und schied aus der Teil-nahme an den Händeln der westlichen Welt, da die Vortheile seinesHandels es nach Indien wiesen und ein von dort aus fühlbares Vor-dringen der Bekenner des Buddhaismus eine Kraftentwicklung nach dieserSeite forderte. Seleukuö' Feldzüge gegen die Parther waren ohneErgebniß und ein neuer Krieg rief ihn in den Westen. Was in Klein-asien noch dem Reiche gehörte, war dem Bruder des Königs, demAntiochus Hierar, als einem Statthalter übergeben worden, wie einstdie oberen Satrapieen dem ersten Antiochus. Diese Theilung wirdeine unheilbare Trennung, indem Antiochus nun fortwährend als Feinddes Königs erscheint. Die Brüder bekämpfen einander in zwei großenKriegen, deren Schauplatz Kleiuasien ist. Der Verlauf ist wechselvoll,überall ist morgen Sieger, wer heute unterlag. Die Fürsten vonBithynien und Pontus stehen auf der Seite des Empörers, von dessenErfolgen sie die Befestigung ihrer Macht erwarten. An der WestküsteKleinasiens wirkt von Ephesus aus ägyptischer Einfluß zu dessen Gun-sten, da Ptolemäus Euergetes die Bewegung begünstigt, die das Nach-barreich schwächt. Griechische Städte schließen dort, wie selbstständigeStaaten, Bündnisse. Die Hauptmacht der kriegführenden Theile bestehtin den Galliern, die als Söldner auf beiden Seiten dienen. Nirgendwozeigt sich in den gewaltigen Begebenheiten eine persönliche Größe.