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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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Das ägyptische Reich unter den ersten Ptolemäern.

ben worden, sondern die Geschichtschreibung war eine Kunst, zu derenAusübung die Verhältnisse der Gegenwart die Anregung gaben. Alledie bedeutenden Geschichtswerke der Griechen waren bisher durch dasBedürfniß veranlaßt, Bestrebungen, deren Zeuge und Theilnehmer manwar, zu erklären. Jene alerandrinische Zeit aber hatte so wenig Wur-zeln in der griechischen Vorzeit und erzeugte, eine so emsige Negierungs-thätigkeit die Ptolemäer auch entwickelten, so wenig Handlungen, daßder Antrieb, ein Gemälde derselben zu versuchen, fehlte. Das einzigeGroße aber, das der rückwärts gewandte Blick in nahem Zusammen-hang mit den Bestrebungen der Gegenwart fand, waren AlexandersEroberungen, ein um so anziehenderer Gegenstand, als, außer der Größeder Thaten, die Neuheit und Seltsamkeit von so vielem nun erst bekanntGewordenen dem Schriftsteller die Theilnahme von Lesern versprach.Unter Vielen, die diesen Stoff behandelt, hatte auch der Gründer desägyptischen Reiches, der selbst seine Macht auf einer von Alexandergeschaffenen Grundlage aufgebaut, gewiß eine vorzügliche Stelle einge-nommen, aber er hat in Alexandrien keine Nachfolger gehabt. Ebenso-wenig wurde eine eigenthümliche Geschichtschreibung der Zeit durchManetho begründet, der, ein ägyptischer Priester zu Heliopolis, gleich-sam um das alte Aegypten bei seinen neuen Beherrschern in Achtungzu setzen, griechische Aufzeichnungen über die gesammte vorangegangeneZeit veranstaltete. Ungeachtet der Bedeutsamkeit vieler aus ihm inandere Schriftsteller übergegangenen Angaben läßt sich ihm, soweit seinnicht erhaltenes Werk beurtheilt werden kann, der Name eines Ge-schichtschreibers, wozu erklärende Entwicklung und künstlerische Darstellungerforderlich sein würde, nicht znsprechen.

8. Das Gebäude des ägyptischen Reiches war in den Negierungender beiden ersten Könige vollendet, von denen der eine hauptsächlich denAufbau und die Befestigung, der andere hauptsächlich die Einrichtung !und Ausschmückung besorgt hatte. War die Zeit des zweiten eine vor-herrschend friedliche, so nahm doch auch er der auswärtigen Beziehungenmit wachsamem Blicke wahr. Der Handel bildete so sehr die Grund-lage der ägyptischen Macht, daß die sorgfältigste Thätigkeit nach Außennöthig war, ihn zu schützen und zu fördern. Zwei Unternehmungen nachSüden, die eine nach der Küste der Troglodyten oder Höhlenbewohnerund die andere nach dem innern Aethiopien, müssen diesen Zwecken ge-golten haben. Ob damit die merkwürdige Thatsache, daß ein KönigErgamenes in Meroe die dort noch erhaltene Priesterherrschaft stürzte Üund einen militärischen Despotismus gründete, in Zusammenhang steht,ist nicht bekannt. Nicht minder war der Westen ein Gegenstand derAufmerksamkeit für Ptolemäus Philadelphias. Er schloß, nachdemPyrrhus in Italien besiegt war, durch Gesandte ein Bündniß mit den