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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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Das ägyptische Reich unter den ersten Ptolemäern.

und Inhalt Probestücke der Gelehrsamkeit. Noch weiter aber entferntesich die Dichtung aus ihrem eigentlichen Gebiete durch Werke einer irri-gen Didaktik, welche, von der alten lyrischen auf das Innere des Men-schen bezogenen Didaktik verschieden, sich in bloßer zusammenfassenderBeschreibung bewegten.' So war Gelehrsamkeit das Kennzeichen aleran-drinischer Dichtung und es fanden demgemäß außer der ganz undichteri-schen Didaktik eine Pflege nur das Epos, das die Benutzung von rei-chem antiquarischem Wissen gestattete und diejenigen Arten der Lyrik,welche vermöge des Vorherrschenö der Reflexion auch mit andern alsden rein dichterischen Mitteln eine Anziehungskraft ausüben können.Kallimachus aus Cyrene hat epische Hymnen auf Götter gedichtet, diebloß wegen der darin enthaltenen Hinweisungen auf Verhältnisse desalten Götterdienstes merkwürdig sind. Höher erhebt sich derselbe Dichterin den Epigrammen, der Dichtungsart, welche, wegen der Gelegenheit. scharfsinnigen und witzigen Gedankenspiels eben sowohl einen vorzüg-lichen Beifall fand, als sie im Anschließen an die vorherrschende Geistes-richtung sich zu einer großen Vollkommenheit ausbilden ließ. Im Epos istdie bedeutendste Erscheinung die Argonautenfahrt des AlexandrinersApollonius, der in der Zeit des dritten und vierten Ptolemäus lebte,ein Werk, das zwar von der Künstelei seiner Zeit nicht frei ist, nament-lich eine mühsame Verfolgung homerischer Spuren verräth, aber denübrigen Erzeugnissen der Zeit gegenüber eine so große Hinneigung zueinfacher und natürlicher Sprache zeigt, daß der Verfasser wegen dieserseiner abweichenden Geschmacksrichtung sich die Feindschaft seines LehrersKallimachus zuzog und Alexandrien verließ, um in Rhodus ein neuesVaterland zu finden, von welchem er der Rhodier genannt wird. Eineder Zeit eigenthümliche Dichtungsart ist die bukolische, welche ihre Dar-stellungen aus dem Kreise des Hirtenlebens nimmt. Die Natur lieferte'ihre Bilder dazu in dem Leben der von griechischer Cultur unberührtgebliebenen sicilischen Hirten und das Muster dieser Gattung alerandri-nischer Kunst ist der aus Syrakus stammende Theokrit. Die Weichlich-keit und Ueberfeinerung des Hofes scheint sowohl den Dichter zur Dar-stellung entgegengesetzter Zustände Hingetrieben, als auch bei dem Drucke,den die ihr dienenden Menschen unbewußt empfanden, für solche Dar-stellung Beifall erregt zu haben.

6. Eine fernere Eigenthümlichkeit der alerandrinischen Bildung bestehtin der Ausbildung, welche die Mathematik und die Naturwissenschaftenerhalten haben. Auf lange Zeiten hin ist Alexandrien für die Welteine Schule dieser' Wissenschaften gewesen. Alexanders Eroberungenhatten in den Geistern das Bestreben erweckt, die Güter der Erde aus-zubeuten und durch Benutzung der Naturkräfte früher unbekannte Wir-kungen hervorzurufen. Die Größe der Aufgabe, die er sich gestellt und