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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
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Z18 Das ägyptische Reich unter den ersten Ptolemäern.

so zugleich in wohl berechneter Staatskunst sich und seiner Umgebungeine neue künstliche Heimath. Dadurch ist das ptolemäische Alexandrienin der Geschichte der Bildung ein Mittelglied zwischen Griechenlandund Nom geworden, indem es bei der von setzt an allmälig sich stei-gernden Verbindung des Ostens mit dem Westen sowohl den Hauptan-ziehungspunkt für das in der nicht griechischen Westwelt erwachendegeistige Bedürfniß bildete, als auch durch sein Beispiel zugleich die Formfür die römische Geistesbildung bestimmen half. Zugleich aber sind diealerandrinischen Bemühungen das Mittel geworden, durch welches vonden Werken der alten griechischen Literatur viele der Nachwelt erhaltenwurden. Was in Griechenland nach Auflösung der bedingenden Ver-hältnisse ebenso, wie es keine Fortsetzung fand, der Vergessenheit anheim-gefallen wäre, wurde in Alexandrien bewahrt, weil es als- die Quelleangesehen wurde, aus der ein neues griechisches Leben seine Nahrung ^schöpfen sollte.

4. Der Grund zu der neuen Schöpfung wurde von dem Lagiden,der durch Abfassung eines nicht erhaltenen Buches über AlexandersThaten sich selbst den Schriftstellern zugesellt hatte, durch Stiftung desMuseums gelegt. In dem Stadttheile, der unter dem Namen Bruchium idie königliche Residenz bildete, wurde ein Gebäude, das nach einem be- Inachbarten Tempel der Musen, jenen Namen erhielt, zur Aufbewahrung >

einer Büchersammlung und zum Zusammenleben und Arbeiten von Ge- i

lehrten, denen der Hof die Mittel des Lebensunterhaltes gab, eingerichtet.Hierbei diente schon dem ersten Ptolemäus Demetrius Phalereus, der ge-lehrte Schüler von Aristoteles' Schüler Theophrast als Rathgeber. Die Be-mühungen, deren Sitz das später durch das Serapeum erweiterte Museumwar, richteten sich zunächst darauf, mit den freigebig gewährten Mitteln !die Werke der griechischen Literatur aus dem Mutterlande und den älte-ren Colonieen zu sammeln und so vor Zerstreuung und Untergang zuretten. Hierzu kam aber das Geschäft, sie zu ordnen, wozu auch dieFeststellung des Ranges gehörte, der den Werken nach ihrem Werthe ^gebührte. Daraus gingen Verzeichnisse hervor, indem man für jeden ,Zweig der Literatur diejenigen Werke zusammenstellte, welche man amwürdigsten fand, fortwährend gelesen und bei der Hervorbringung desNeuen als Muster angesehen zu werden. Eine fernere doppelte Thä- ;

tigkeit bestand in der Feststellung des durch Abschrift im Laufe der Zeit !

mannigfach verderbten Wortlautes und der Erläuterung derjenigen Ver- jhältnisse, welche zur Zeit der Abfassung der Werke Jedermann geläufig lgewesen, jetzt aber Vielen fremd geworden waren, ohne daß ihre Kennt-

niss zum Verständnis der Werke hätte entbehrt werden können. Dies j

ist der Ursprung der Kritik und der Hermeneutik. Die gesammte auf

die alte Literatur gerichtete Thätigkeit, sowie die Wissenschaft, die mittelst