316 Das ägyptische Reich unter den ersten Ptolemäern.
Stufenfolge des Beamtenthums zeigt. Au dieser kunstmäßigen Gliede- Irung nahmen die Nebenlande Cyrene, Cypern und die kleiuasiatischen IBesitzungen nicht Theil, da hier die Statthalter eine satrapenartige Ge-walt hatten und unter ihnen das Gemeindewesen der griechischen Städtesich behauptete. Cyrene insbesondere hatte einen nur losen Zusammen-hang mit dem Reiche und war oft von demselben unabhängig. Eine !Zeit lang nach Ophelias' Untergange war es zwar wieder unterworfenworden, aber der neue Statthalter, Magas, ein Sohn der Berenice ^aus früherer Ehe, blieb dem Könige nur für einige Zeit treuund mußte von Ptolemäus Philadelphus als unabhängiger Fürst 'anerkannt werden. Desto besser gelang, wozu die örtliche Getheilt- !heit ohne Zweifel beitrug, Behauptung und Vermehrung der ägyp- !tischen Besitzungen in Kleinafien und dem ägäischen Meere, wo Pto-lemäus Philadelphus über die ganze Südküste, einen Theil der West-küste und die Cykladen gebot, ja bis nach Thracien hin seine Machterstreckte.
2. Seine Stelle in der Geschichte bezeichnet das neue ägyptischeReich am bestimmtesten durch zwei Dinge, durch die neue Richtung, diees dem Handel gegeben und durch die Pflege, welche es griechischerKunst und Wissenschaft gewidmet hat. In diesem. Betracht sind diebeiden ersten Ptolemäer als die Gründer des Reiches anzusehen und ^was sie geschaffen, wurde ihnen gerade durch die Lage ihres Landes er-leichtert, die ihnen den äußeren Verhältnissen gegenüber eine zurück- ckhaltende und beobachtende Stellung einzunehmen und zu behaupten ge- ?stattete. Das Hauptergebniß des Bemühens für den Handel war, daß ^Aegypten jetzt das Land wurde, wo der Handel des Ostens und der t
Handel des Westens sich die Hand reichten. Der Handel Indiens und !
des südlichen Arabiens, der durch den Reichthum ihrer Naturerzeugnisse ^bedeutsamsten Länder, hatte bisher seinen Weg nach dem Westen größten- ;
theils durch das Binnenland genommen. Was nach den pontischen i
Ländern bestimmt war, hatte seinen Weg durch Baktrien nach dem kas-pischen Meere und erreichte mittelst einer großen Abwechselung der ^
Wasser- und Landwege an der Mündung des Phasis das schwarze Meer, j
Zu den Ostküsten des Mittelmeeres dagegen kamen die Maaren über s!Babylon. Aegypten bezog indische und arabische Maaren nur für seinen >eigenen Verbrauch, da der äthiopische Hafen Adule der einzige Hafen !an der Westseite des rothen Meeres war und von dort das Gesuchtewieder auf mühseligen Landwegen geholt werden mußte. Die Ptole-mäer, von Anfang an mit Ausbildung des Seewesens eifrig beschäftigt, ;brachten es dahin, daß der indisch-arabische Handel zur See seinen Weg snach Aegypten nahm, welches nun von Alexandrien aus die Maarennordwärts nach Rhodus und Byzanz und westwärts nach Carthago und
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