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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
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315
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Das ägyptische Reich unter den ersten Ptolemäern. 315

standes gegen die fremde Herrschaft verloren hatte. Ptolemäus brauchtenichts Einheimisches zu zerstören, sondern nur das Zerstörte ohne Her-stellung zu lassen und bei der unvermeidlichen Einführung von Neuemeine Schonung zu beobachten, die wohlthuend wirkte, aber keine Rechtegab. Die Religion konnte keine Scheidewand zwischen den Herrschernund den Beherrschten bilden, da die Griechen, denen ihre religiösenUcberlieferungen längst von der Philosophie entkräftet worden waren,schon seit Anfang der näheren Bekanntschaft mit dem Morgenlande nachAlexanders Beispiel griechische Götter in den Göttern der-Fremde wie-derzufinden gesucht hatten. Dies machte selbst die Einheimischen fürFremdes empfänglich, denn es erwachte auch ein religiöser Kosmopoli-tismus, der in einheimischen und fremden Göttern verschiedene Auffassun-gen derselben Sache zu sehen geneigt war und sich eine Verpflanzunggriechischen Götterdienstes, wie er schon mit den uralten Colonieen ver-bunden gewesen war, gefallen ließ, wenn nur die fremde Gottheit sichdurch die Art des Dienstes als mit einer einheimischen zusammen-fallend auöwies. Ein Beispiel dieser Theokrafie oder Göttervermischunggab Ptolemäus dadurch, daß er auf den Rath eines athenischen Eumol-piden aus der pontischen Stadt Sinope den Dienst eines Gottes ein-führte, der dort als Hades gegolten hatte, nun aber in Aegypten alsein ägyptischer Gott, als der Osiris des Todtenreiches, ausgenommenwurde und unter dem Namen Serapis eine auögebreitete Verehrungerhielt. Wie sehr die Aegypter auf eine solche Mischung eingingen,zeigt sich darin, daß in der Folge diejenigen der ptolemäischen Familiedie sich, wie die Seleuciden, nach Alexanders Beispiel vergöttern ließen,als Söhne einheimischer Landesgötter galten. Freilich verräth sichhierin noch etwas Anderes, als das Bestreben der Theokrafie. DerGötterglaube überhaupt war für die Griechen so erschüttert, daß umdiese Zeit schon Euemeruö aus Messana die Lehre aufstellte, auch diealten Götter seien nur Menschen gewesen, welche man wegen ihrerVerdienste nach ihrem Tode göttlich zu verehren angefangen. DieseHerabsetzung göttlicher Würde erklärt ebenso die Vergötterung lebenderMenschen, als sie verräth, daß das Heidenthum in sein letztes Stadiumgetreten ist. In gleicher Weise ist auf den kosmopolitischen Charakterder Zeit zurückzuführen, daß Ptolemäus sich zu den benachbarten Judenin ein Verhältniß setzte, wodurch massenweise Ansiedlungen derselben inAegypten veranlaßt wurden. Hierin fand zugleich seine Staatökunst einMittel, in dem Nachbarlande, das ihm Seleukus entrissen hatte, dieGemüther zu gewinnen und seiner Herrschaft den Weg zu bahnen. Aufsolchen Wegen erleichterte sich Ptolemäus auch die Durchführung einervon allen hergebrachten Einrichtungen unabhängigen Verwaltungsweise,Welche bei großer Theilung der amtlichen Befugnisse eine ausgebildete