Die Auflösung des maccdonisch-persischen Reiches. 289
eindringenden Kassander das schon Erreichte wieder verloren gehen sehen.Seitdem spielte er nur noch eine untergeordnete Nolle als Söldnerfüh-rer im Dienste Anderer. Als Kassander in Griechenland festen Fußgefaßt hatte, machte er sich gegen Makedonien auf. Zwar sperrten dieAetoler, welche bei ihrer Feindschaft gegen Makedonien leicht von Poly-sperchon zu einem Bündnisse gewonnen worden waren, die Thermopylen,aber Kassander umging sie, indem er den Weg über Euböa nach Thes-salien nahm. Makedonien war inzwischen der Schauplatz eines wilden Bür-gerkriegs gewesen. Olpmpias hatte hier eine grausame Herrschaft geführt,war einmal vor Eurydice nach Epirus zurückgewichen, war dann von demMolosserfürsten Aeacides, dem Sohne des Arybas und Nachfolger ihresBruders Alexander, unterstützt, wiedergekommen und hatte im Jahre 317die Gegnerin in einer Schlacht, in der beide Frauen Ln Waffenrüstungkämpften, hauptsächlich durch die Treulosigkeit der auf Eurpdice's Seitestehenden^ Macedonier bestegt. Diesen Sieg, in Folge dessen Eurpdiceund Arrhidäus in ihre Hände gefallen, hatte sie durch Ermordung Beiderso wie eines Theiles ihrer Anhänger benutzt. Sie selbst wurde abervon der Rache bald ereilt. Denn als Kassander ankam, ergaben sichihm die meisten Städte Makedoniens, und Olpmpias, die sich in Ppdnavertheidigte, kam in seine Gewalt, als die Stadt durchHunger bezwun-gen war. Jetzt verurtheilte das Heer, das hier wieder als Vertreter desVolkes erscheint, sie wegen ihrer Greuelthaten zum Tode. Kassanderließ das Urthcil vollziehen, die Norane mit ihrem Sohne aber, die beider Einnahme von Ppdna gleichfalls in seine Hände gefallen waren, zuAmphipolis in Haft halten. So war er im I. 316 Herr von Make-donien, ohne den Königönamen zu führen und ohne im Namen einesKöniges zu herrschen. Zur Befestigung seiner Herrschaft vermählte ersich mit einer Tochter Philipps, Thessalonice, nach welcher er eine ander Stelle von Thcrma erbaute Stadt benannte, wie er einer in derGegend des ehemaligen Potidäa gegründeten den Namen Kaffandrea gab.
7. Der Krieg zwischen Antigonus und Eumenes führte zur Ver-treibung des Letzteren aus Kleinasien. Von da versetzte Eumenes denKrieg nach Sprien, wo seit dem Jahre 320 der dem Antigonus ver-bündete Ptolemäus festen Fuß zu fassen angesangen hatte, um diesesimmer den Beherrschern Aegyptens wünschenswerthe Vorland zu ge-winnen. Doch auch hier konnte er sich gegen den ihm nachfolgendenAntigonus nicht behaupten und ging nach dem inneren Asien, wo sichgegen Pithon und Seleukus eine Anzahl anderer Satrapen verbündethatte. Er zog eine Abtheilung von Veteranen aus Alexanders Heer,die Silberschildträger oder Argpraspiden genannt, an sich und unterstütztedie gegen Pithon und Seleukus kämpfenden Satrapen. Antigonus, dersich der Beiden annahm, gewann bei seinen von Ekbatana aus unter-
Kiesel, Wkltgeschlchte. I.