290 Die Auflösung des macedonisch-persischen Reiches.
nommenen Feldzügen nach zweimaligem Siege des Enmenes endlich durchUneinigkeit der Verbündeten die Oberhand, erfocht durch Treulosigkeitdes Peucestes einen Sieg, bekam den Gegner, da ihn die Argyraspidenals Preis ihrer cingebüßten Habe auslieferten, im Jahre 315 in seineGewalt und ließ ihn tödten. Sofort trat er auch gegen Pithon undSeleukus als Herr auf, ließ den Pithon, nachdem er ihm seine Truppenabwendig gemacht hatte, hinrichten, und veranlaßt den Seleukus, indemer ihm die während des Kampfes zugetheilte Provinz Susiana entzog,und wegen der Verwaltung Babyloniens Rechenschaft forderte, zur Fluchtnach Aegypten, wo Ptolemäus in Besorgniß vor des Antigonus raschgewachsener Macht den Aufforderungen zum Kriege gegen denselbenGehör gab. Antigonus kehrte nach dem westlichen Asien zurück undward als der mächtigste der Diadochen fetzt die Ursache fernerer Kämpfe,weil er der eigentliche Nachfolger Alexanders zu werden suchte und sodie übrigen Feldherren, die schon einzelne Theile des Reiches selbststän-dig beherrschten, in ihrem Besitz und ihrem Dasein bedrohte.
8. Diese Kämpfe dauerten mit zwei Unterbrechungen bis zum Un-tergänge des Antigonus im Jahre 301, und ihre Schauplätze warenSyrien, Kleinasien und Griechenland. Die Verhältnisse machten Kaffan-der und Ptolemäus zu Antigonus' Feinden und untereinander zu Ver-bündeten. Wie ihr Bestehen nur durch gemeinsames Handeln gegenAntigonus zu sichern war, konnten bei der Lage ihrer Reiche ihre Vor-theile sich so wenig durchkreuzen, daß eine Störung ihres Vernehmensnicht möglich war. Da Antigonus seinen Bestrebungen, wie einst Per-dikkas, den Schein eines Kampfes für die königliche Familie und dieEinheit des Reiches zu leihen suchte, ließ er von seinem Heere de»Kassander, als den Mörder der Königin Olympias, zum Feinde der Ma-cedonier erklären. Um in Griechenland Kaffanders Macht zu brdchen,unterstützte er den Polysperchon und dessen Sohn Alexander mit Geld,daß sie durch Verkündigung der Freiheit die Anhänger der Demokratiegegen Kassander bewaffneten. Ein Krieg, der sich in eine unendlicheMenge kleiner Unternehmungen auflöst und an vielen Stellen zugleichgeführt wird, zerreißt Griechenland und vernichtet die Reste seinesWohlstandes. Der Verkündigung der Freiheit setzten Kassander undPtolemäus eine gleichlautende Verkündigung entgegen. Keine der beidenParteien zog aber von den Punkten, wo sie festen Fuß gefaßt hatten,ihre Besatzungen zurück. Im Allgemeinen hatte die Sache des Antigonuskeinen entschiedenen Fortgang. Glücklicher war er in Kleinasien undSyrien. In Kleinasien hielt sich sein Neffe Ptolemäus gegen ein HeerKaffanders und gegen einen früher von ihm über Karien und Lydiengesetzten Satrapen, welcher Kaffander hieß und sich, obgleich von ihmgehoben, fetzt an dessen Gegner angeschlossen hatte. Während dieser