I
288 Die Auflösung des maccdonisch-persischen Reiches-
die Stellung seines Vaters einzunehmen suchte, wurden für eine ZeitlangMakedonien und Griechenland Schauplatz eines Parteienkampfes. Wie Aalso vor dem Jahre 321 der europäische und der asiatische Theil des mace- Idonischen Reiches, jeder für sich Schauplatz eines großen Krieges ge-wesen, wurden sie es auch jetzt. Das Ergebniß dieser beiden Kämpfeist die Erhebung des Kafsander in Europa und des Antigonus in Asienzur höchsten Gewalt, die nun, da in dem europäischen Kämpfe die beidenKönige uutergehen, auch nicht einmal mehr dem Namen nach sich aufeine Vertretung der erbberechtigten, aber regierungsunfähigen Könige istützen kann. ^
6. Polpsperchon wandte sich, um sich zu stützen, an die in Epirus 'lebende Olympias und lud sie ein, die vormundschaftliche Negierung für ^ihren Enkel zu übernehmen. Als sie, obgleich sie vorläufig in Epirusblieb, auf seine Pläne einging, erhielt in Asien Eumenes eine Vollmacht, l
wodurch er dort zum Stellvertreter der Könige bestellt wurde, um die f
wachsende Macht des Antigonus zu bekämpfen. Dadurch sah sich Eu- !
rpdice gedrängt, sich der Partei des Kafsander anzuschließen. Eine s
fernere Stütze suchte Polpsperchon in Griechenland, das er durch Ver-kündung der Freiheit zu gewinnen dachte. Im Namen des Arrhidäus swurden die allmälig allenthalben eingeführten oligarchischen Verfassungen ?gemißbilligt und den in Folge ihrer Einführung Verbannten die Rück-kehr gestattet, so daß fast in allen Staaten eine durchgreifende Umwäl-zung entstand. In Athen widersetzte sich Phocion dieser Veränderung ,und suchte den Abzug der macedonischen Besatzung aus Munychia zu 'hindern. Da aber Polpsperchons Sohn Alexander mit einem Heere inAttika erschien und die beschlossene Maßregel durchführte, floh Phocionzu Polpsperchon, der ihn auf den Wunsch der Gegenpartei auölieferte,und nebst vielen Andern ward der mehr als achtzig Jahre alte Feldherrim Jahre 318 zum Tode verurtheilt, den er mit Ruhe und Würde erlitt.Indessen war Kafsander, den Ptolemäus und Antigonus in der Absicht,den europäischen Theil des Reiches zu zerrütten, mit Truppen versehenhatten, von der Soe her vor Athen erschienen und der Befehlshaber dermacedonischen Besatzung, der noch nicht abgezogen war, vielmehr unterPhocions Mitwirkung auch den Piräus eingenommen hatte, lieferteihm die Stadt, die vergeblich auf Alexanders Hülfe wartete, in dieHände. Die Oligarchie wurde jedoch nicht hergestellt, sondern Athenerhielt einen macedonischen Statthalter in der Person des DemetriusPhalereus, eines der bisherigen Häupter der oligarchischen Partei, der ^sich zur Zeit der Umwälzung durch die Flucht gerettet hatte. Polysper-chon hatte inzwischen seine Pläne auch im Peloponnes durchführen Iwollen, war an der Stadt Megalopolis, die den heftigsten Widerstandleistete, gescheitert und mußte durch den ebenfalls in den Peloponnes