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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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241
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Die Griechen im pcloponnesischen Kriege. 241

freilich auch diejenigen Erscheinungen der griechischen Geistesbildung, welchees verrathen, daß unter den Griechen selbst die mit Notwendigkeiteingetretene Wendung zu Verfall und Auflösung führte. Den Denkernbleibt nach vergeblichen Versuchen, den Ergebnissen ihres Denkens Ein-fluß auf das Leben zu verschaffen, nur die Wahl, ihr Leben im Kampfegegen einen nicht zu ändernden Gang der Ereignisse aufzuwenden oderin der Stille Ideen zum Gebrauche für spätere Geschlechter zu ent-wickeln. In beiden Fällen stehen auch sie im Widerspruche gegen ihreZeit und tragen zur Auflösung bestehender Zustände bei, ohne den Weg,auf dem Besseres erreicht werde, zeigen zu können.

8. Die Philosophie der Griechen hatte in Anaragoras aus Klazo-menä, welcher der Reihe der mit Thales beginnenden jonischen Philo-sophen angehört, einen Sproß getrieben, mit welchem sie sich nachAthen verpflanzte. Durch die Annahme eines aller Persönlichkeit ent-behrenden und auf die Dinge, welche er ursprünglich in Bewegung ge-setzt, nicht fortwirkenden Geistes als Urgrundes der Dinge, war er zuder Religion der Griechen in Widerspruch getreten, wie dies die Anklageder Gottlosigkeit beweist, gegen die Perikles ihn verteidigte, in Folgederen er aber doch auswanderte. Von Untersuchungen der Ionierausgehend, war um dieselbe Zeit Protagoras ans Abdera dahin gelangt,die Möglichkeit einer allgemeinen Erkenntniß aufzugeben, den Menschenfür das Maß der Dinge zu erklären, das Wissen aus die Empfindungzurückzuführen und aus ihr zugleich die Gründe des Handelns herzu-lciten. Eine folgerechte Ausbildung dieser Annahmen mußte schon mitgänzlicher Zerstörung der Sittlichkeit das persönliche Belieben zum Ent-scheidungsgrunde in allen Dingen machen und, wenn Protagoras soVerderbliches nicht lehrte, so unterließ er es nur aus Scheu vor einementschiedenen Auflehnen gegen die Sitte und aus einer selbst bei falschenAnsichten nicht gleich schwindenden Achtung vor der Tugend. Dochwurde er als Gottesläugner aus Athen vertrieben, wo man seineBücher öffentlich verbrannte. Aus den Lehren der eleatischen Philoso-phen von einem den mannigfaltigen Erscheinungen zu Grunde liegendenunveränderlichen Sein schöpfte der Leontiner Gorgias Mittel zur Ver-teidigung der Behauptungen, daß keiner Sache ein Sein zukomme, daßein solches, wenn es stattfände, sich nicht würde erkennen lassen und,wenn es sich erkennen ließe, diese Erkenntniß nicht mittheilbar seinwürde. Auf derartigen Wegen wurde der Einzelne gelehrt, die Ergeb-nisse des Denkens zur Rechtfertigung selbstischen Strebens zu verwendenund es war nur ein folgerechtes Verfahren, wenn man bald sogar dahinkam, alles durch Herkommen Begründete als Werk einer früher durchdie Menschen beliebten Festsetzung anzusehen, welcher gegenüber jedesvon persönlichen Absichten ausgehende Bemühen eine nicht mindere Be-

Kiesel, Weltgeschichte. I.