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Die Griechen im pcloponnesischen Kriege
rechtigung habe. Eine ausgedehnte Wirksamkeit erhielten solche Lehrendurch die Ansicht, daß man sich mittelst ihrer die Fähigkeit, auf die Mei-nung Anderer zu wirken, erwerbe, sich so zur Theilnahme an den An-gelegenheiten des Staates befähige und sich den Weg zur Beherrschungder Menge bahne. Dieser Ansicht zufolge trieben einzelne Männer derbezeichneten Art ein eigentliches Gewerbe des Unterrichts und nanntensich deshalb nach dem Vorgänge des Protagoras Sophisten. Mit Rück-sicht auf den von ihren Lehren zu machenden Gebrauch mußte es ihnenganz vorzüglich auf die Mittel, durch welche einer Behauptung Eingangverschafft wird, ankommen und so wurde ein bedeutender, bei Vielen,wie bei Gorgias, der bedeutendste Theil ihres Geschäftes das Bemühen,die Rede durch kunstmäßige Ausbildung zu einem Werkzeuge für jeneZwecke zu machen. Der dem Scheine dienenden Kunst der Sophistenerwuchs in Athen, wie diese Stadt ihrer Wirksamkeit das weiteste Feldbot, auch ihr Hauptgegner. Dem Streben nach Herrschaft und Genußfern bleibend, richtete Sokrates sein Bemühen auf wahrhafte und un-vergängliche Güter und bekämpfte die von den Sophisten geförderteVerwirrung der Begriffe vom Guten und Bösen, Wahren und Falschen,indem er auf die Selbsterkenntniß als den nothwcndigen Ausgangspunktdes Denkens hinwics und die unbedingte Gültigkeit sittlicher Grundsätzedarthat, denen nur durch ein von erkannter Wahrheit geleitetes Handelngenüge.
9. In der Dichtung spiegeln die Tragödien des Euripides unddie Comödien des Aristophanes die Zeit des peloponnesischen Kriegesab, die einen, indem sie ein der damaligen Wirklichkeit entsprechendesReden und Handeln zeigen, die andern, indem sie die Waffen desTadels und Spottes gegen die damals vorherrschenden Richtungenkehren. Euripides, am Tage der salaminischen Schlacht auf der InselSalamis geboren und so den Meistern der tragischen Kunst durch seineLebenszeit nahestehend, ist weit von der Erhabenheit des Aeschylus undder Tiefe des Sophokles entfernt. Während sich bei Aeschylus einmächtiges göttliches Walten in den Geschicken der Menschen verräth undSophokles den Zusammenhang des menschlichen Handelns mit den inder Tiefe des Innern liegenden Gesetzen zur Anschauung bringt, maltsich bei Euripides ein Treiben, wie das seiner Zeit ist, mit seinen ganzäußerlichen Beweggründen. Obgleich seine Stoffe, wie die seiner Vor-gänger, aus der Quelle der Mythen geschöpft sind, befindet er gleichden Sophisten sich in einem Gegensätze zu dem Inhalte des Neberliefer-ten, durch welchen er Handlungen und Personen nach den von der Wirk-lichkeit gelieferten Vorbildern gestaltet. Seine Personen zeigen kleinlicheLeidenschaften und Schwächen, verbunden mit sophistischer Redegewandt-heit und Spitzfindigkeit, und vermöge eines großen Talentes hat er