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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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Die Griechen im peloponnesijchen Kriege.

schon im Laufe des peloponnesischen Krieges an der fieberhaften Er-regung, in die es sich durch Vorspiegelung fern liegender und abenteuer-licher Zwecke versetzen läßt, an der Grausamkeit, womit es sich anAbtrünnigen und Widerstrebenden rächt, an dem Argwohn, der es gegenseine Führer reizt und an der Krampfhaftigkeit der Zuckungen, welchendas Staatsleben ausgesetzt ist. Unter solchen Verhältnissen konnten sichMänner, die mit klarem Bewußtsein ein bestimmt erkanntes Ziel be-harrlich verfolgt hätten, eben so wenig bilden, als solche, wenn sie vor-handen gewesen wären, eine Macht gleich der des Perikles über dasVol^ hätten gewinnen können. Den sinnbildlichen Ausdruck dieses Zu-standes bildet Alcibiadcs. Zu dessen näherer Erläuterung aber dient derGang, den Wissenschaft und Kunst im Laufe des Krieges genommenhaben. Hieran wird deutlich, wie der griechische Geist, ungeachtet seiner-reichen Ausstattung, doch durch den Mangel an höchster Erkenntniß einerBeschränkung unterworfen war, die ihn über untergeordnete Zwecke nichthinauskommen ließ und ihn daher zwang, im Leben von der verhältniß-mäßig hohen vor dem Kriege erreichten Stufe, da auf ihr eine Befrie-digung für die Dauer nicht zu finden war, selbst im Fortschritte seinerAusbildung herabzusteigen. Den früheren Staatsmännern hatten Kräf-tigung Griechenlands zur Abwehr der Perser, Uebung der Kräfte durchEntwicklung von Handel und Gewerbe, Erziehung des Volkes zurSelbstregierung, Veredlung des Sinnes im Hervorbringen und Genießenvon Kunstwerken als Ziele vorgeschwebt und zur Erreichung aller dieserZiele sollte Athens Erhebung zu einer Herrschaft über die übrigen Grie-chen dienen. Nun vermochte aber die griechische Religion es nicht, allediese Ziele durch Beziehung auf ein gemeinsam über ihnen allen stehen-des zu adeln und dadurch den auf dieselben gerichteten Bestrebungeneinen Werth zu geben, vermöge dessen sie dem Geiste Befriedigung ge-währt hätten. Daher wurde die vermißte Befriedigung in einer Be-ziehung der Thätigkeit auf die eigene Persönlichkeit gesucht. So trittder Mensch, indem er bloß mit menschlichen Mitteln erzogen ist undbloß Menschliches sucht, unbewußt in einen Gegensatz zum Staate undbei den Einzelnen wird die Theilnahme am Gemeinleben den Ein-zelzwecken untergeordnet. Wenn daher die von den Griechen erreichteHumanität, der Inbegriff der aus dem beschränkten Reiche der Sichtbar-keit und Sinnlichkeit zu gewinnenden Geistesvorzüge, späteren Geschlech-tern als Mittel der Erhebung zu wahrer Menschenwürde dienen konnte,so mußten diese mit der Wahl dessen, was als Muster dienen sollte,sich auf einen engen Kreis beschränken und das, was jenen Zweck war,nur als Mittel verwenden, in den übrigen Erscheinungen aber geradedie Unzulänglichkeit erkennen, welche auch dem am weitesten entwickeltenVolke der vorchristlichen Zeit eigen war. Von hoher Bedeutung sind nun