Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

Die Griechen im peloponncsischcn Kriege.

235

entscheidende Unterstützung durch das auf Antrieb des Alcibiades mitTissaphernes, dem persischen Satrapen zu Sardes, geschlossene Bündniß.Schon im zweiten Jahre deS Krieges hatten die Spartaner Gesandteabgeschickt, welche von dem Perserkönige Geld und Hülfe erbitten sollten.Diese waren durch Sitalkes' Freundschaft mit Athen, als sic durch dessenGebiet kamen, ergriffen und den Athenern ausgeliefert worden. Wasdamals mißlungen und seitdem nicht mehr versucht war, erreichte Spartajezt bei dem Satrapen, der in dieser Sache für sich und im Namen desKönigs handelte. So trat in dem Verhältnisse zwischen Persien undGriechenland eine große Veränderung ein. Von persischer Seite hatteman nicht Sparta, sondern Athen zu fürchten gehabt, und diesen Gegnermit Hülfe Sparta's zu vernichten, bot man um so eher die Hand, alsdieses die griechischen Städte, die jemals den Persern gehört, auf-opferte. In den Vertrag war auch eine Bestimmung des Inhalts auf-genommen, daß keine dieser Städte auch nur durch Geldzahlung in Ver-bindung mit Athen bleiben sollte, woraus sich ergibt, daß auch unterpersischer Herrschaft griechische Städte an der gegen Persien gerichtetenathenischen Bundesgenossenschaft betheiligt gewesen waren. Indem nun> Persien mit seinen reichen Mitteln den Spartanern zu Hülfe kam, gabcs, da seine Unterstützung hauptsächlich in Geld bestand, Anlaß zuweiterer Ausbildung des Söldnerwesens, von welchem sich bei denGriechen in dem ersten Zeiträume dieses Krieges schon Spuren gezeigthalten, und das während des sicilischen Feldzuges schon eine größereWichtigkeit erlangt hatte. Durch diese Wendung der Dinge wurde derKrieg um so eher zu Gunsten Sparta's entschieden, als es in Athen,das den Kern seiner Bürger in Sicilien eingebüßt hatte, gänzlich anhervorragenden Männern fehlte, deren Geist in der bedrängten Lageneue Hülfsmittel hätte entdecken können. Daß jedoch die Entscheidungsich noch verzögerte, war das Werk desselben, der Athen an den Ab-grund des Verderbens gebracht hatte. Als Alcibiades inne gewordenwar, daß er in seinem Verlangen nach Rache schon der VernichtungAthens nahe gekommen, verwandelte sich, wie es scheint, seine Stim-mung uud, da der Verdacht eines sträflichen Verhältnisses zu der Fraudes Königs Agis nebst der Besorgniß vor seiner Sinnesänderung seinLeben in Sparta unsicher machten, entwich er zu Tissaphernes. Aufdiesen begann er mittelst der ihm eigenen Beweglichkeit, die ihm injeglicher Lebensweise sich auszuzeichnen gestattete, bald einen so großenEinfluß auszuüben, daß er die Bewegungen, welche die Perser zuGunsten der Spartaner machten, lähmte und namentlich die Umkehreiner phönicischen Flotte bewirkte, die, wenn sie im ägäischen Meereerschien, die Seemacht Athens vernichten mußte. Nun fing er an, seineAussöhnung mit Athen zu betreiben. Zuerst wendete er sich im I. 411