Die Griechen im peloponncsischc» Kriege.
233
um den größten Einfluß rangen, konnte ungeachtet der vielfachen Dienste,die Nicias als Feldherr geleistet, dem Alcibiades der Sieg nicht ent-gehen. Dieses Uebergewicht betätigte sich jedoch nicht in einer fort-gesetzten Leitung der Staatsangelegenheiten, wie sie von Perikles aus-gegangen war. Es wirkte nur durch Bestimmung der Meinung in deneinzelnen Fragen. So riß Alcibiades jetzt, trotz des Widerstandes desNicias, das Volk zu der sieilischen Unternehmung hin, und eine Flotte,so groß wie Alhen noch keine ausgesendet, zu deren Führung man demAlcibiades außer dem bedächtigen Nicias den tapscrn Lamachus zuge-sellt hatte, ging im I. 415 unter Segel. Wenn das große Wagnißmißlang, so wurde dieß Mißlingen gleich Anfangs schon dadurch ent-schieden, daß der Urheber desselben nicht allein der Ausführung entzogenwurde, sondern auch mit allen seinen Kräften in den Dienst der Feindeseiner Vaterstadt trat. Nicht lange vor der Abfahrt der Flotte warAthen in Aufregung versetzt worden durch eine Verstümmelung, welcheman eines Morgens an den vielen auf Straßen und Plätzen stehendenHermen, viereckigen, den Kopf des Gottes Hermes tragenden Säulen,wahrgenommcn hatte. Eine dunkle Ahnung deutete dieses Ereigniß alsdas Zeichen eines dem Staate von Innen heraus drohenden Angriffes.Der Parteigeist bemächtigte sich dieses Vorfalles zu Angriffen auf dieAngesehensten und Einflußreichsten, und eine Klasse von Menschen, die,wie die Demagogen vor der Volksversammlung, vor Gericht die Ver-folger hervorragender Männer waren, die Sykophanten, waren ge-schäftig, die Aufregung zu schüren. Dringender Verdacht fiel auf Al-cibiades, von dem bei dieser Gelegenheit auch kund ward, daß er imKreise von Genossen Gebräuche der eleuflnischcn Mysterien freventlichdurch Nachahmung verspottet hatte. Nichtsdestoweniger ließ man dieFlotte auslaufcn, da man das Unternehmen nicht aufhalten wollte undden Führer besser während seiner Abwesenheit stürzen zu können glaubte.Die Flotte hatte den Weg um Griechenland über Corcyra und längsder Südküste von Italien zurückgelegt und der Krieg war mit der Be-setzung von Catana eröffnet worden, als auf der Flotte der Befehl zurRückkehr des Alcibiades eintras. Er aber'entwich auf der Rückfahrtbei Thurii und begab sich in der Folge, als man ihn in Athen zumTode verurtheilt und durch die Priester verflucht, seine Güter aber ein-gezogen hatte, nach Argos und von da nach Sparta, um es seinerVaterstadt recht schmerzlich fühlbar zu machen, daß sie ihn von sich ge-stoßen. Der Krieg nahm indessen seine Richtung gegen Syrakus, dessenMacht, wenn Athen festen Fuß auf der Insel fassen sollte, gebrochenwerden mußte und zu dessen Bezwingung man die Hülfe der von ihmm ihrer Selbstständigkeit bedrohten griechischen Städte der Insel hoffte.Die Kräfte von Syrakus verstärkten sich indessen nicht bloß aus sieilischen