Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

2Z2 Die Griechen im pcloponnesischc» Kriege.

Stadt Scione im I. 421, als sie erobert war, mit dem Tode derWehrhaften und der Knechtung der Wehrlosen gebüßt hatte und ihrGebiet den jetzt heimathlosen Platäern angewiesen worden war. In-dessen machte die athenische Besatzung von Pylus, das man seit deinKriege unter den mannigfachen Zwistigkeiten noch behalten, fortwährendeStreifzüge. Eine tiefe Verletzung aber brachten die Athener den Spar-tanern im I. 416 durch die Eroberung von Melos bei, welches dasSchicksal von Scione erlitt und eine Kleruchie erhielt. Hiermit zeigtendie Athener, wie sie es den Feinden an Grausamkeit gleich zu thun ge-lernt hatten und wie wenig das Gefühl der nationalen Verwandtschaftüber die im Kriege genährte Erbitterung vermochte. Die Melier hattenan dem Kriege keinen Theil genommen und es war nur Verweigerungder Unterwerfung, was an ihnen so schwer gerächt wurde.

3. So war der Friede bereits vielfach gestört worden, als eine neueEinmischung Athens in die Angelegenheiten Siciliens den Krieg zumneuen, vollen Ansbruch brachte. Im äußersten Westen Siciliens warEgesta von Selinns bedroht und wandte sich, da dieses mit Syrakusverbündet war, im I. 416 um Hülse an Athen. Konnte schon diedurch den bisherigen Krieg gesteigerte Stammesfcindschaft die Athenergeneigt machen, aus einen Plan gegen das dorische Syrakus einzugeheu,so ließ sich bei der Unvermeidlichkeit eines neuen Kampfes mit dem Pe-loponnes, wo man die spartanische Obmacht vergebens zu brechen ver-sucht hatte, leicht der Gedanke fassen, im fernen Westen einen Zuwachsan Macht zu gewinnen, durch welchen ein neuer Angriff auf den Pe-loponnes unwiderstehlich werden würde. Unter den hervorragendenMännern Athens hatte damals den größten Einfluß derjenige, dessen ^Geist die meiste Empfänglichkeit für einen solchen Plan hatte. NachdemKleon's Tod dem Einflüsse des Nicias Raum geschafft, waren diesembald zwei Nebenbuhler verschiedener Art erwachsen, Hyperbolus, derLampenmacher, roh wie Kleon, aber ihn an Schlechtigkeit übertrcfsend,und Alcibiades, der alle äußeren Mittel, Aufmerksamkeit zu erregen,besaß und alle Künste, das Volk nach seinem Willen zu lenken, ver-stand. Er und Nicias hatten, als die Gebildeteren, an Hyperbolus einen >gemeinschaftlichen Feind, und als dieser sich durch Umtriebe einen un- !

bestrittenen Einfluß zu verschaffen trachtete, kam eine Einigung der beiden !

ihm feindlichen Parteien zu Stande, in Folge deren er durch den Ostra-cismus vertrieben wurde. Seitdem kam der Ostracismus nicht mehrzur Anwendung, sei es, daß man unter den eingetretcnen Verhältnissendurch ihn den Zweck, zu welchem er ehemals gedient, nicht mehr er-reichen zu können glaubte, oder daß man die ganze Maßregel durch denGebrauch, der von ihr an Hyperbolns gemacht worden, zu sehr herab-gewürdigt fand. Wenn aber Nicias und Alcibiades nun mit einander ^