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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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220 Die Griechen vom Ausbruche des Kampfes mit den Persern

und mimischer Darstellung verbundenen Gesängen bei den Dionysus-festen, hatte sie eine enge Verbindung mit dem öffentlichen Leben. Denersten Versuch über den ihr ursprünglich eigenen lyrischen Charakterhinauszugehen, machte Thespis aus Jkaria, indem er zwischen dem Ge-sänge durch einen von dem Chore getrennten Schauspieler eine Hand-lung des Gottes, dem die Feier galt, monologisch darstellen ließ. DieseDarstellungen erhielten im Laufe der Zeit auch andere mythische, endlich lsogar, wie das Beispiel des Phrynichns zeigt, der Wirklichkeit unge-hörige Stoffe. Unter dem Athener Aeschylus, dem Teilnehmer derKämpfe von Marathon, Artemisinm, Salamis und Platää, erfuhr sie ,neben höherer künstlerischer Durchbildung auch eine Steigerung des i,dramatischen Charakters durch Einführung des Dialogs. Wie seineDramen vermöge der dunkeln Kunde von uralten Umwälzungen undNeubildungen in der physischen und moralischen Welt das Ringen tita-nischer Urmächte und ungezähmter Naturgewalten, den Kampf der Ele-mente und Kräfte wiederspiegeln und dadurch den Charakter des Unge-heuren und Naturkräftigen, des Niesenmäßigen und Erhabenen, zuweilen ,des Herben und Dunkeln tragen, so vcrrathen sie auch das getrübte Be- iwußtsein von Kräften, die in der höheren Weltordnung walten, die tiefeAhnung eines Gesetzes, welches in undurchdringliches, ja grauenhaftes ?Geheimniß gehüllt, alle Wesen mit unwiderstehlichem Zwange bindetund Widerstreben durch ein in langer Kette fortschleichendes, endloswachsendes Mißgeschick straft. Hierdurch wurde die Bedeutsamkeit deslyrischen Theiles nicht gemindert. Der Chor beherrschte die Zuhörer 'in ihrer Hingebung an die durch die fortschreitende Handlung in ihnen ferwachenden Empfindungen. Wie die künstlerische Darstellung einerBegebenheit schon an sich die einzelnen Handlungen als im Verhältniseiner nothwendigen Abfolge stehend erscheinen läßt und eine zwischenZuständen der Seele und äußeren Vorgängen bestehende Wechselwirkungzur Anschauung bringt, hatte in dieser Beziehung der Chor ein Amtder Vermittlung zwischen der Handlung und dem Zuschauer. In denAugenblicken, wo man in Gefahr war, sich in die Theilnahme au den ipersönlichen Bestrebungen und Geschicken zu verlieren, trat der Chorvor die Bühne, um das Volk für einige Zeit von derselben zu trennen, ^es vor der Gewalt, welche die Handlung ausübte, zu retten und aufden Standpunkt einer höheren Empfindung und Beurtheilung zurückzu- fdrängen. Die Ausstattung und Einübung des Chors war eine von den ^Verpflichtungen, die der reiche Bürger nach einer bestimmten Regel demStaate gegenüber zu übernehmen hatte und bildete einen Gegenstanddes regsten Wetteifers. Den höchsten Gipfel erreichte die Kunst derTragödie in Perikles' Zeitgenossen Sophokles, aus dem attischen Flecke»Kolonus. Der größte Fortschritt, den er machte, war das Eindringen