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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
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219
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bis zuin Ausbruche des peloponncstschen Krieges. 219

auflöscude Bestrebungen unfähig war. Bei der großen Thätigkeit, inwelcher er die Kräfte des Volkes erhielt, bildete sein Bestreben, dasselbeüber die niederen Sorgen zu erheben, den Lohn für die Hingebung, mitwelcher es ihm auf den von ihm gezeigten Bahnen folgte. Zugleichaber war das, was er für dessen Genuß that, auf Veredlung seinesSinnes berechnet, indem er Alles, was die Kunst auf ihrem damaligenStandpunkte vermochte, in den Dienst des öffentlichen Lebens zog, fürwelches er die Einzelnen in möglichst hohem Grade in Anspruch nahm.Die Täuschung, vermöge deren er unbewußt am Untergänge Athensarbeitete, lag darin, daß er durch eine unter dem Einflüsse künstlerischerSchönheit gestiftete Verbindung von Arbeit und Genuß das Volk zusittlicher Größe erheben zu können meinte. Die innere Haltlosigkeitaller Gebilde des Lebens, die ohne wahre Religion unvermeidlich ist,erwies sich auch an demjenigen Gebilde, welches unter allen der vor-christlichen Zeit am meisten geeignet war, durch seinen Glanz auch edlereGeister seiner Zeit mit Befriedigung zu erfüllen, an dem athenischenStaate in der Zeit und unter den Händen des Perikles. Daß sie sichauch an diesem erwies gehört zu den lehrreichsten Beispielen von derUnzulänglichkeit aller in vorchristlicher Zeit auf Gestaltung des Menschen-lebens verwandten Bemühungen. Noch augenfälliger aber wird dieseUnzulänglichkeit, wenn man die Unzulänglichkeit des bloß nationalenStandpunktes erwägt, auf welchem allein die Bestrebungen des Periklesmöglich waren. Alle Herrlichkeit des athenischen Volkes, die er schufund nach der er trachtete, hatte zur Bedingung eine schwere Bedrückungaller derjenigen, die, demselben unterworfen, es auf ihre Kosten großmachen sollten. Zu dem Gebäude athenischer Größe sollten die Bundes-genossen, ohne dafür etwas Anderes, als Schutz gegen die Perser zugenießen, die Mittel kiefern. Je höher sich aber dieser Anspruch stei-gerte, je deutlicher das Bemühen wurde, ihn auch über den Kreis derbisherigen Bundesgenossenschaft hinaus zur Geltung zu bringen, um soleichter mußte die Feindschaft der Spartaner auflodern und einen ver-zehrenden Brand über ganz Griechenland bringen.

14. Zur Bcurtheilung des Einflusses, welchen die Kunst damalsauf das öffentliche Leben zu üben vermochte, bietet einen Maßstab dieThatsache, daß im Reiche derselben Athen zu einer Art von Alleinherr-schaft gelangt war. Während bis zur Zeit der Perserkriege ihre höchstenLeistungen über Griechenland im weiteren Sinne verbreitet sind, besitztAchen jetzt den Vorrang, daß es nicht bloß das Meiste und das Be-deutendste hervorbringt, sondern alle künstlerischen Kräfte, die andernTheilen Griechenlands angehören, in Athen ihre Schule, ihre Werkftätteund ihren Schauplatz suchen. In der redenden Kunst ist das eigenthüm-lichste Erzeugniß die Tragödie. Hervorgegangen aus den mit orchestischer