Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern. 171
Fragende neuem Zweifel überliefert und, wenn er gewählt hatte, erwiesder Orakclsprnch, dessen Deutung erst die Wahl zu begünstigen schien,sich nachträglich als Warnung gegen das unglücklicher Weise Erwählte.War demnach das Orakel der sittlichen Auffassung der Lebensverhält-nisse nicht günstig, so vermochte es auch nicht den Frieden unter denStaaten, geschweige eine Vereinigung derselben zu einem dem gesammtenGriechenland heilsamen Zwecke, zu bewirken.
24. Eine größere verbindende Kraft schienen diejenigen Verbindun-gen mehrerer Städte einer Landschaft zu besitzen, die sich zwar auch anreligiöse Festversammlungen knüpften, aber doch ausdrücklich mit aufPflege gemeinsamer Angelegenheiten berechnet waren. Solche Verbin-dungen wurden unterhalten durch einen aus Abgeordneten der einzelnenStädte gebildeten Nach, der sich zu bestimmten Zeiten versammelte.Die Achäer am Nordrande des Peloponnes und die Ionier in Asienhatten eine derartige Bundesverfassung, indem die einen zu Aegium beim
, Tempel des Zeus, die anderen am Vorgebirge Mykale bei dem Tempeldes Poseidon ihre Berathungen durch Abgeordnete hielten. Doch scheintauch hier der Trieb der Absonderung das Bedürfniß nach Einigungüberwogen zu haben, da die beiden Bundesstaaten nicht mit der Kraftaustreten, die ein festes Zusammenhalten ihnen gegeben hätte.
25. Eine weitere Verbindung ist die zwischen verschiedenen nichtbloß unabhängigen, sondern auch, ihrer Bevölkerung nach, nicht verwandtenStaaten. Solche Verbindungen gab es unter dem Namen Amphiktyo-nieen. Die größte ist diejenige, welche zwölf Völker des mittleren undnördlichen Griechenlands, Thessaler, Böoter, Dorer, Ionier, Perrhäber,Magneter, Lokrer, Oetäer, phthiotische Achäer, Malier, Phocier, Dolo-Per, umfaßte. Doch auch diese Verbindung, die ihre Abgeordneten jedenFrühling nach Delphi und jeden Herbst nach dem Tempel der Demeterzu Anthela an den Thermopplen sandte, bildete keinen Bundesstaat, dasie ihre Mitglieder nicht bloß von Kriegen unter einander nicht abhielt,sondern solche Kriege nicht einmal verbot, auch nie ihre Mitglieder zugemeinsamer Unternehmung nach Außen vereinigte. Die Bedeutungder Verbindung war eine religiöse und die Thätigkeit des Buudesrathesbestand in Beaufsichtigung der Bundesheiligthümer und der an sie ge-knüpften Handlungen des Götterdienstes, worunter das Heiligthum desApollo zu Delphi und die ppthischen Spiele den ersten Platz einnahmen.Daran knüpften sich freilich Forderungen in Betreff des gegenseitigenVerhaltens der Bundesglieder, deren Zwistigkeiten einen menschlicherenund bloß vorübergehenden Charakter haben sollten. Die Entstehung derEinrichtung liegt in der Zeit vor der dorischen Wanderung, wie sichdaraus ergibt, daß nicht allein die Ionier und Dorer, von welchen Theiledurch die Wanderungen dem Bereiche der Wirksamkeit des Bundes