160 Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern.
aber unter einander nicht in Zusammenhang zu bringen, die Epochenhervor, in welchen Cekrops, Theseus und Kodrus die Hauptpersonensind. Cekrops, an der Spitze einer von ihm abstammenden Reihe vonKönigen stehend, wird für einen Einwanderer aus Sais in Aegyptenausgegeben, dein die Grundlagen der Gesittung zu verdanken seien.Noch mehr als von Kadmus ist es von ihm wahrscheinlich, daß einespätere klügelnde Zeit in der Sage ihre Ansicht von fremder Einwir-kung auf Entwicklung der einheimischen Cultnr ausgesprochen. WieCekrops der Gründer einer geselligen Ordnung, ist Theseus der eineseinheitlichen Staatswesens. In ihm erscheint der jonische Stamm zuvoller Geltung gekommen und unter dessen Herrschaft entsteht in demin zwölf unabhängige Gebiete getheilten Lande ein einziger Staat, dessenHaupt die am Fuße der alten cekropischen Burg gegründete StadtAthen wird. Eine alte Einteilung in vier Stämme oder Phylen,deren Namen: Geleonten, Aegikoreis, Argadeis, Hopleten, auf dereinstigekastenartige Scheidung nach Lebensweise zu deuten scheinen, aber alsbloße Namen doch eine zu schwache Grundlage für deßfallsige Schlüssebilden, blieben auch in der neuen Ordnung der Dinge, man weiß nichtgenau, mit welcher Wichtigkeit, bestehen. Eine neue Eintheilung in Eu-patriden, Geomoren und Demiurgen, oder Adel, Landbauer und Hand-werker, kam in der Art hinzu, daß die Angehörigen jeder Phyle sichnach diesen drei Ständen theilten. So entstand eine Verfassung vonaristokratischem Charakter, indem die vornehmen Geschlechter den wesent-lichsten Antheil an der Negierung erhielten. Auch weiß die Sage schonjetzt von glücklichen Angriffen auf die königliche Macht zu berichten undknüpft daran Theseus Entfernung von Athen nach der Insel Scyros,wo er sein Leben endet. Ist so der Ursprung wirklicher Verhältnissean den Namen des Theseus geknüpft, so erscheint derselbe auch als einzweiter Herakles, Bedrängte schirmend und das Land von Räubernreinigend, ja in den Mythus vom Argonautenzuge ist er hineingezogen.In das Gebiet der Thätigkeit, die ihn dem Herakles ähnlich macht, ge-hört auch sein Zug nach Kreta, wohin er die Jünglinge und Jung-frauen, welche dem Könige Minos, dem Beherrscher der meisten Inselndes ägäischcn Meeres, als Tribut gebracht werden müssen, geleitet, umsie durch Erlegung des im Labyrinthe wohnenden Ungeheuers Minotau-rus zu retten. Theseus Bild erscheint demnach als zusammcngewebt ausVorstellungen über ganz verschiedenartige Verhältnisse, indem die Ein-bildungskraft des Volkes, dein er angehörte, die eigenen Ansprüche aufalten Ruhm durch die von dem Heros erzählten Thaten begründete unddenselben zugleich für die Ideen, welche die Grundlagen seiner Ver-fassung waren, zum Träger nahm. Zur Zeit, da Böotien und der Pe-loponnes ihre Beherrscher wechselten, erschien in Attika ein Fürst aus