Die Griechen vor dem Kampfe mit den Perser». 159
großen Neichthum von Orchomenus, das dem ägyptischen Theben ver-glichen wurde und nach Erhebung des kadmeischen Thebens zum Hauptedes Landes doch die zweite der böotischen Städte blieb, ohne daß eineSpur von Herabdrücken der vorböotischen Bevölkerung zur Leibeigen-schaft sich findet. An den Namen Thebens knüpft sich, obschon es nichtam Meere lag, eine der für Griechenland sparsamen Kunden einer be-stimmten Beziehung zum Orient. Noch vor Ankunft der Böoter sollein phönicischer Einwanderer, Kadmus, der Gründer geselliger undstaatlicher Ordnung im Lande gewesen sein und die Schrift, sowie dieKunst Erze zu schmelzen, gelehrt haben. Wie viel geschichtliche Wahr-heit sich in diesen Sagen erhalten habe, ist zweifelhaft, zumal die darinangedeutete Beziehung zu Phönicien durch keine anderen Spuren wahr-scheinlicher gemacht wird. Die Person des Kadmus kann ein Sinnbilddes ihm gleichnamigen Stammes sein, wie viele Stämme Ahnherrn, dieihren Namen führen, an die Spitze ihrer Mythen stellen. Außer vielenFabeln, die sich an Kadmus knüpfen, hat Böotien zu dem Vorrathe grie-chischer Mythen die Erzählungen von den Schicksalen des Oedipus bei-getragen, der einer Reihe von Kadmus abstammender Könige des Lan-des angehört. Sie haben sich vorzugsweise im Dienste der Vorstellungausgebildet, daß einem über den Menschen verhängten Geschick keineVorsicht auszuweichen vermag und daß auf ganzen Geschlechtern oftein Fluch der Götter ruht, nach welchem sich Schuld auf Schuld häuftund die Nachkommen fortwährend die Folgen eines von dem Ahnherrnbegangenen Frevels, sei dieser auch unbewußt begangen, zu tragen haben.Die Frevel im Hause des Oedipus schließen mit dein Streite seiner SöhneEteoklcö und Polynices, von denen der letztere vertrieben wird und denKrieg von sieben auswärtigen Fürsten gegen Theben erregt. DieBrüder fallen beide, einer den andern durchbohrend, der fremde Angriffwird abgeschlagen, aber die Söhne der sieben Fürsten wiederholen den
- Angriff, Etcokles Sohn Laodamas fällt und Polynices Sohn Therfanderl tritt an seine Stelle. Wahrscheinlich haben die hierauf bezüglichenl Dichtungen sich ebenso nach dem Erlöschen der Kadmeer gebildet, wie
die vom Argonautenznge nach dem Verschwinden der Minyer, so daß? das, was in der Wirklichkeit endet, in der Dichtung noch einmal mitneuem Glanze auflenchtet.
; 10. Die südwärts an Böotien stoßende Halbinsel Attika hat eine
! Pelasgisch-jonischc Bevölkerung. Ein pelasgischer Stamm, die Kranaer,muß von Ioniern, die indessen der ersonnenen Genealogie der Hellenenentgegen auch als ein pelasgischer Stamm bezeichnet werden, unterwor-
- fen worden sein. In den der Zeit vor der dorischen Wanderung an-i gehörigen attischen Ueberlieferungen, die ein großes Gewirre von Ur-sprünglichem und später hinzu Gedichtetem bilden, treten als bedeutsam,