Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern. izz
Deukalion denjenigen zum Vater, der aus einer der gottlosen Mensch-heit zur Strafe gesandten Fluth allein mit seiner Gattin Pyrrha ge-rettet worden sei, und diesen nannte man, um den Stammbaum mög-lichst weit hinauf zu verfolgen, Sohn des Prometheus. Wie sehr mandas die ganze Menschheit Angehende den Griechen aneignete, zeigt sichdarin, daß man das Ercigniß der Rettung des Deukalion in die grie-chische Landschaft Thessalien verlegte. Ungeachtet aller der nationalenBeschränkung, an welchen die Begriffe vom Göttcrthum litten, kamendoch in deren fernerer Ausbildung die Ideen von Recht und Sitte umso leichter zur Geltung, als das Bedürfnis; einer folgerichtigen Ver-knüpfung aller diesem Gebiete angehörigen Vorstellungen und Ueberlie-ferungen nicht obwaltete. Wie der bewegliche Geist die Hellenen, be-freit von den durch die Natur dem Menschen angelegten Fesseln, überden morgenländischen und ägyptischen Standpunkt des Naturdiensteshinaushob, bewahrte er sie auch vor einer priesterlichen Verfassung, dieeinen solchen hätte fefthalten können. Dem sinnenden Geiste der Dichterfiel die Ausbildung der Begriffe von göttlichem Walten anheim und ihrWort machte die Gebilde ihres Denkens zum Gemeingute des Volkes.So wurde, von einem Gesetze der Schönheit beherrscht, die Anschauungdermaßen geläutert, daß in der Mitte von Jrrthümern die schönstenAhnungen der Wahrheit auftauchten, durch welche über einzelne Theileder griechischen Welt ein wohlthuendes Licht ergossen wurde. Die Per-son des Zeus ist der Mittelpunkt, mit welchem die Gedanken der Grie-chen über Gesetz und Sitte in Verbindung gesetzt worden sind und dieAuffassung dieses Gottes war am wenigsten von der des göttlichenWesens unwürdigen Vorstellung belastet. Der Sieg, den Zeus derSage nach über die Titanen davongetragen, kann auch als ein Sinn-bild des Sieges gelten, welcher in dem Bewußtsein des Volkes derAnerkennung sittlicher Weltordnung im Gegensätze der Unterwerfung unterNaturgewalten zu Theil geworden.
4. Die eigentliche Geschichte der Griechen läßt sich auch seit derZeit, wo mit der dorischen Wanderung ein geschichtlich feststehendes Er-eigniß von großen Folgen gegeben ist, noch nicht in zusammenhängendemVerlaufe übersehen. Denn einerseits ist von dem, was sich an diesesEreigniß knüpft, weder genug überliefert, noch das Ueberlieferte vonmythischer Auffassung frei, anderseits so wenig Zusammenhang zwischenden einzelnen Theilen des Landes und Volkes, daß eine Menge vonBewegungen an verschiedenen Orten nach Beginn und Fortgang ganzfür sich betrachtet werden müssen. Es ist also zunächst nur eine geo-graphische und ethnographische Uebersicht möglich, welche hauptsächlichder Zeit der dorischen Wanderung gilt, aber auch von den die einzelnen