Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Die Perser-

115

potismuö, beginnen unter dem Sohne des Deiokes, Phraortcs, seit 653vor Ehr. Geb. die Eroberungen. Deren Zug ging nach Süden zn denPersern, die ostwärts von der Tigrismündung am persischen Meerbusenhin die Gegenden in den iranischen Randgebirgen und einen Theil derinneren Hochebenen bewohnten und gemäß dieser Verschiedenartigkeitihrer Wohnplätze ackerbauende und nomadische Stämme umfaßten.Kriegerische Unternehmungen nach Westen scheiterten an der noch nichtganz gebrochenen Kraft Assyriens und der König von Medien verlordas Leben in dem Kampfe im I. 633. Seine Eroberungspläne nahmsein Sohn Cyarares mit größerem Nachdrucke auf, der auch das Kriegs-wesen regelte, indem er Bogenschützen, Speerträger und Reiter voneinander sonderte. Unter seines Vaters und seiner Regierung mußschon vor dem Sturze des assyrischen Reiches ein großer Theil der dem-selben unterthänigen Länder unter medische Herrschaft gekommen sein.Die Einverleibung Persiens hatte gewiß den Medern eine Stärke ver-liehen, der die östlichen iranischen Völker nicht widerstanden und auchnach Westen dehnte sich das Reich über Armenien hin bis an den FlußHalys aus, wo die den Syrern verwandten Kappadocier ihm geborchten.Die Belagerung Ninive's jedoch, die das gänzliche Ende des assyrischenReiches herbeiführen sollte, wurde durch ein für das ganze westlicheAsien folgenreiches Ereigniß unterbrochen.

6. Die Scythen, Völker mongolischen Stammes, welche von demJster oder der unteren Donau bis an den Tanais oder Don die Länderum den Pontus Eurinus oder das schwarze Meer größtentheils alsNomaden bewohnten, die Milch der Rosse tranken und von ihren Heer-de» begleitet auf Wägen umherwanderten, ergossen große Schwärmeüber die Länder des westlichen Asiens, deren Neichthum sie als No-maden lockte. Eine Bewegung unter diesen Völkern oder gar einDrängen der weiter rückwärts wohnenden, mag der Anlaß dazu ge-wesen sein. Als der Weg, der sie auf den geschichtlichen Schauplatzdes alten Asiens führte, werden die Pässe zwischen dem östlichen Endedes Kaukasus und dem kaspischen Meere genannt und demgemäß »rußteMedien, dessen König ihnen von dem belagerten Ninive aus mit un-glücklichem Erfolge entgegentrat, ihre erste Beute werden. Ihre noma-dische Lebensweise inmitten der reicheren Länder fortsetzend, streiften sicbis nach Syrien und an die Grenzen Aegyptens. Als besondere Merk-würdigkeit wird erzählt, daß sie in dem philistäischen Askalon die Plün-derung eines Tempels der Gottheit, welche der griechischen Aphroditeentspricht, mit einer auch auf ihre Nachkommen übcrgcgangenen Krank-heit gebüßt haben. Das medische Reich wurde dadurch nicht aufgelöst,aber seine Unternehmung gegen Assyrien war gestört und es hatte sichmit den wilden Gästen durch große Opfer, vielleicht auch dadurch, daß

8 »