114
Die Perser.
die Nebertragung stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Was aber beiden Medern sich nicht erhielt, ist die Kastenverfafsung. Denn, wenn csbei den Medern auch einen priesterlichen Stand, den der Magier, gegebenhat, so erscheint doch in der bekannten Zeit der metrischen Geschichte dieVerfassung als eine militärisch despotische, wie bei den Assyriern undBabyloniern. Indessen scheint der Umstand, daß die Magier einervon sechs Stämmen der Meder genannt werden, dahin zu deuten, daßsie nach Verlust der Kastenverfaffung eine derselben entsprechende, durchihren Beruf gewissermaßen geforderte Abgeschlossenheit bewahrten.Nachdem die Meder eine Zeit lang von dem assyrischen Reiche abhängiggewesen, beginnt ihre Selbstständigkeit mittelst Abfalls von demselben.Den zwei verschiedenen Angaben über die Zeit dieses Abfalls entsprechenauch zwei verschiedene Königsreihen, in welchen kein Name übereinstimmt.Wenn man aber einen zweimaligen Abfall der Meder von Assyrien gel-ten läßt, liegt der Versuch nahe, beide Königsreihen zu vereinigen unddie kürzere als den letzten Theil der längeren zu betrachten. Der Fürst,welcher an der Spitze der kürzeren steht, wird dann als ein solcher ange-sehen, der durch festere Begründung der königlichen Macht, in einemgewissen Sinne, unbeschadet der Nichtigkeit jener längeren und früherbeginnenden Reihe, als erster König der Meder habe erscheinen können.
5. Dieser König war Deiokes, der Sohn des Phraortes, und dieBegründung seiner Herrschaft wird als die Beendigung eines anarchi-schen Zustandes dargestellt, während dessen er sich geflissentlich durchschiedsrichterliche Klugheit seinen Landsleuten dermaßen empfohlen habe,daß sie in dem Verlangen nach Ordnung und Einigung ihn zum Königegewählt. Demzufolge wäre er mit seiner Macht in Folge einer ausBedürfniß hervorgegangenen Berechnung ausgestattet worden und hättedadurch seinerseits das Ziel seines Ehrgeizes erreicht. Es scheint indie Erzählung eine der Wirklichkeit nicht entsprechende Ansicht über dieEntstehung des Königthums hineingespielt zu haben, mit der sich beidem griechischen Berichterstatter eine im Kreise seiner Landsleute häufigvorgekommene Wahrnehmung von den zur Begründung einer Herrscher-macht führenden Künsten verbunden hat. Auch denkt sich der Berichter-statter die Wohnplätze der Meder viel zu beschränkt, wenn er die rich-terliche Thätigkeit des Deiokes sich so über das Volk erstrecken läßt, daßder Wunsch, ihn zum Könige zu haben, allgemein werden konnte. Dasneue Königthum wird dann als ein planmäßiger Despotismus geschil-dert, in welchem der König, seinen Unterthanen unsichtbar, eine festeBurg innerhalb einer festen Stadt bewohnte. Diese Stadt ist Ekbatana,deren Entstehung sich, wie es im Orient sich immer wiederholt, mitGründung des Reiches verknüpft. Wie die 53jährige Dauer dieserNegierung ausgefüllt wird durch die Schritte zur Ausbildung des Des-