Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

Die Israeliten.

äußerringen hatten dem Volke keine Ruhe vor diesem Feinde geschafft.Er gehört einer Zeit äußern und innern Verfalls an, die sich unterEli fortsetzt, bis Samuel die Kräfte des Volkes erneuert. Eli stammteaus der Nachkommenschaft Jthamars, des jüngsten Sohnes Aarons.Vermuthlich war die Linie Elcazars erloschen und die hohepriesterlicheWürde auf die jüngere Linie übergegangen. Im Besitze dieser Würdeübte Eli zugleich das Richteramt. Große Wirkungen hervorzubringenkonnte er, der an Samuels Mutter den Ausdruck der Frömmigkeit füreinen Rausch hielt, die Macht nicht haben. Dazu ließ er seine Söhnein empörender Art das Vertrauen der Gläubigen, die zum Heiligthumekamen, mißbrauchen. Der inneren Krankheit entsprach die Erfolglosigkeitdes Kampfes gegen die äußeren Feinde. In einer Schlacht ging dieBundesladc an die Philister verloren, Elis Söhne fielen und bei derNachricht von diesen Unglücksfällen stürzte der Vater im Schrecken überdie Brustwehr des Thorcs von Siloh. Der tiefen Erniedrigung aberfolgt der Anfang der Erhebung, deren Werkzeug Samuel ist.

14. In seiner Jugend wunderbar geleitet und zu dem Berufe derRettung seines Volkes auserkoren, begleitete Samuel, ohne aus AaronsGeschlechte zu stammen, die Würde des Hohepriesters und wirkte zu Her-stellung der religiösen Einigung, der kriegerischen Vertheidigung und derbürgerlichen Ordnung, so daß er auch den Beruf, den die Richter ge-habt hatten, in seinem ganzen Umfange erfüllte. Der Anbruch einerneuen Zeit gab sich dadurch zu erkennen, daß die Bundeslade, welchedie Feinde, von Ahnungen beunruhigt, zurückgegeben hatten, nicht in dasGebiet Ephraims, dem Samuel selbst angehörte, zurückgebracht wurde,sondern in Gibeah bei Kiriath Jearim im Stamme Benjamin seineStätte fand. Die Zeit des Vorranges von Ephraim war abgetanst»und das Leben der Nation mußte einen neuen Mittelpunkt erhalten.Diesen neuen Mittelpunkt erhielt cs mittelst des Ueberganges zu monar-chischer Verfassung, wozu die Veranlassung in der Verwaltung Samuelsliegt. Das durch Samuel betriebene Werk der Einigung erregte zumeistvon seiner äußeren Seite Befriedigung, indem man die Befreiung vomDrucke der Feinde und die einen Schutz für die Zukunft versprechendeengere Verbindung der Stämme als eine Wohlthat empfand, ohne da-rin zugleich eine Bedingung für die Erfüllung des von Gott zugewicsc-uen Berufes zu erkennen. Die gewonnenen Vortheile zu sichern, hieltman eine Verfassung für uothwendig, welche die Entfaltung kriegerischerKraft begünstigte. Es lag hierin ein Mißtrauen gegen die geistigeFührung im Sinne der theokratischen Verfassung, ein Mißtrauen, welchessich nur äußerlich auf die Unzufriedenheit mit der von Samuels Söhne»geübten Rechtspflege stützte. Obgleich daher die königliche Negierung,wie sich später an David zeigte, mit der Bestimmung des Volkes ver-