Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92 Die Israeliten.

Städte in den Gebieten der übrigen Stämme zu beiden Seiten desJordans.

11. Das Land, das die Stämme erfüllen sollten, reichte von derägyptischen Grenzstadt Rhinokorura bis zum Euphrat in der Gegend vonThapsakus. Im Süden und Osten war es von den Stämmen, durchderen Gebiete der Wnstenzug sich bewegt hatte, umgeben. Nordöstlichlag Mesopotamien oder Aram Naharaim und nördlich Syrien im enge- ^ren Sinne. Nordwestliche Nachbarn waren die Phönicier. Wie sie !den nördlichen Theil des tief gelegenen Knstensaumcs inne hatten, be-wohnten den südlichen die Philister, ein von Kreta her cingewandertesVolk, dessen Land in die Gebiete der fünf Städte Gaza, Askalon, Asdod,Ekron und Gath zerfiel. Im Lande aber fanden die Israeliten vonSüden nach Norden die kanaanitischen Stämme der Emoriter, Hethiter, .Jebusitcr, Heviter, Girgascncr, Phercsiter und im engeren Sinne so-genannten, den Phöniciern zunächst wohnenden Kanaaniter vertheilt,während als Neste einer älteren Bevölkerung noch andere Stämme inder heiligen Schrift genannt werden, die, ohne selbstständig zu erschei-nen, am Kampfe der Kanaaniter gegen die Israeliten Theil nehmen.Die Eroberung stieß auf große Schwierigkeiten und durch den ganzenZeitraum der Richter hindurch erhielten sich Theile der eingeborenenBevölkerung um so leichter selbstständig, als der Zusammenhang unterden Stämmen Israels sich lockerte und einzelne derselben gegen erhalte-nes Gebot sich mit ihnen vertrugen und zeitweise von dem die Sinneverlockenden Götzendienste mit Verderbniß angesteckt wurden.

12. Zeichen dieses Verderbnisses treten bald nach Josua's Todehervor, dem Niemand in der Hcerführerwürde folgte und nach demdaher Niemand kraft überkommenen Amtes die einzelnen Stämme zueinem Ganzen zusammenhielt. Bei Josua'S Lebzeiten war das Gefühlder Einheit noch so mächtig, daß die ostsordanischen Stämme durch Er-richtung eines Altares am Jordan sich der Gefahr eines Kampfes mitden übrigen aussetztcn und nur durch die Erklärung, der Altar sei einbloßes Denkmal, der Gefahr entgingen. Nicht lange nachher aber fehltees nicht an Beweisen für die Lockerung des Bandes. Ein Theil des ^Stammes Dan zieht wegen der Beschränktheit des Gebietes nordwärtsbis zur äußersten Grenze Palästinas, nimmt die am Libanon gelegenesidonischc Colonie Laisch, die hiernach den Namen Dan erhält, mit Ge-walt in Besitz, setzt dort einen beim Durchzuge durch Ephraim mitge-nommenen abgöttischen Priester ein und gründet so ein fremdartigesHeiligthum, das so lange dauerte, als das Heiligthum der Nation inSiloh war. Dem Beispiele der religiösen Abtrünnigkeit steht zur Seiteein Beispiel wilder Gesetzlosigkeit und Zwietracht, welches dem Aus-sprache der heiligen Schrift zur Bestätigung dient, es habe damals Jeder