Die Israeliten-
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Herzens, ungeachtet so vielen Eifers für Heilighaltung der Ehe und fürMenschlichkeit einerseits die Vielweiberei nicht ganz beseitigt und dieUnauflöslichkeit der Ehe nicht ganz durchgeführt, anderseits das Wieder-vergeltungsrecht anerkannt ist, so liegen darin Zeichen, daß das Gesetzans die damals mögliche Vereinigung des Volkes mit Gott zielte. Wiewenig aber das Volk die Erfüllung der höchsten religiösen Forderungendamals schon hätte übernehmen können, läßt sich daran ermessen, daßdie Israeliten kurz nach feierlicher Schließung des Bundes in die Greueldes ägyptischen Apisdiensteö verfielen und selbst Moses Bruder zu demGusse des goldenen Kalbes beitrug. Um jedoch das Verhältniß desJndcnthums zu dem Heidenthum und zu dem Christenthum zu beurtheilen,
' muß man erwägen, daß Jrrthümer, deren Vermeidung in dem durchChristus gestifteten Reiche der Gnade als das Leichteste und Natürlichsteerscheint, in dem Heidenthum das ganze Leben beherrschten und ver-wirrten, während sie durch die Herrschaft des Gesetzes zwar überwundensind, aber als vorübergehende Verirrungen auflreten.
8. Die zweite Veranlassung zum Verweilen bietet der heiligenSchrift der Aufenthalt der Israeliten im Lande der Moabiter durch das,was sich dort mit Bileam und auf dessen Betrieb zugetragen. Nachdreißigtägigcr Trauer über Aarons Tod begann das in Kades Barneaherangewachsene jüngere Geschlecht den Beruf des untergegangcuenwieder aufzunehmen. Mit Sichon, dem Könige der Emoriter und Og,dem Könige von Basan, wurde siegreich gekämpft und cs begann eineZeit jugendlichen Muthes, den der Volksgesang in zwei von der heiligenSchrift aufbewahrten Stücken feiert. Obgleich die Israeliten sich denWeg durch die Gebiete der Edomitcr und Moabiter nicht mit Waffen-gewalt öffneten, verbreitete ihre Ankunft in den OstjordangegendenFurcht, da man ihre Zurückhaltung keiner Feigheit zuschreiben konnte.Daher ließ Balak, der König der Moabiter, den Zauberer Bileam vomEuphrat Herkommen, daß er die Ankömmlinge verfluche. Bei ihm hatman sich, wie bei den durch die Wunder Moses überwundenen ägypti-schen Zauberern, eine jener ungöttlichen Kräfte zu denken, die zwar dienatürlichen Wirkungen übersteigen aber doch nicht weiter wirken können,als es Gottes 'bestimmte Zulassung ist. Auf vier Bergeshöhen an dem Ost-ufer des tobten Meeres versuchte Bileam der Reihe nach unter Opfern denvon ihm begehrten Fluch, aber nnwillkührlich verwandelte sich ihm derbeabsichtigte Fluch in Segen, wie ihm schon auf dem Herwege über-natürliche Warnungen gegen das Verfluchen Israels geworden waren.Die Hoheit und der Beruf Israels wurden hierdurch auf das Augen-fälligste verherrlicht und der letzte der an die Stelle der versuchtenFlüche getretenen Segenssprüche deutet auf die ferne, aber leuchtendeAnkunft des dereinstigen Erlösers. Nach dein Mißlingen der dämoni-