88
Die Israeliten-
zu erhalten und das Leben den dreifachen Weg der Reinigung undBuße, der Hebung im Glauben, der Einigung mit Gott zu führen.Die Bundeslade bewahrte die Gesetzcs-Tafeln und diente mit dem überihr errichteten Bundeszelt, dem einzigen Ort des Opfers, als Sinnbild fürden gegenwärtigen, die Befolgung seines Willens überwachenden alleinigenGott. Der als Stand abgesonderte Stamm der Leviten war zur Verrich-tung der heiligen Dienste bestimmt und erhielt aus der Familie Aarons diePriester, an deren Spitze Aaron selbst zuerst die Würde eines Hoheprie-sters bekleidete. Die Weihe des siebenten Tages erinnerte an das Schö-pfungswerk Gottes und ließ keine andere Selbstthätigkeit zu, als die Be-schäftigung mit Gott. Zeugniß von der Oberhoheit Gottes über allenBesitz gab das Aufhören der Feldarbeit im siebenten oder Sabbatjahreund in dem Jahre nach sieben Sabbatjahrcu; das letztere, das Jubeljahr ge-nannt, brachte verkaufte Grundstücke an die früheren Besitzer zurück undgab allen zu Knechten gewordenen Israeliten die Freiheit wieder, wodurches lehrte, die selbstsüchtige Begier des Erwerbens dem Gehorsam gegenGott zum Opfer bringen. Die drei Hauptfeste des Jahres, das Passah-fest, das Wochenfest oder Fest des fünfzigsten TagcS nach dem Passah,Pfingsten, das Laubhüttenfcst, bewahrten nicht bloß das Andenken an den ,Auszug aus Aegypten, an die Offenbarung am Sinai und an das Zel- ltenleben der Wüste, sondern versinnbildeten auch die Erlösung von der !Knechtschaft der Sünde, die Einweihung in die Lehre Gottes und das Ge-nießen der Früchte der Offenbarung, bezeichneten also den Weg, welchen fder Einzelne, wie den, welchen die Menschheit zu gehen hatte. Die Be-Zeichnung dieser Stufenfolge kehrte wieder in den drei Abthcilungcn des fBundeszeltes, dem Vorhofc, dem äußeren Heiligthuine und dem Allcrhei-ligsten, ja in den drei Theilen der hohepricsterlichen Kleidung, dem weißenUntergewande, dem blauen Obergewandc, dem Ephod nebst Brustschild undDiadem. In seiner Gesammtheit aber trug das Gesetz, ungeachtet seinerErhabenheit über alle von den heidnischen Völkern geschaffenen Verfassun-gen und alle bei ihnen vorfindlichen religiösen Lehren, auch ein Zeugnißin sich von einer bloß zeitlichen Bestimmung. Es ist also nicht bloß durchseine Vorbilder, sondern auch durch seine Unzulänglichkeit Hindentung aufeine höhere Offenbarung der Zukunft. Wie die Belehrungen über Gottund überirdische Dinge nicht vollendet waren, trug auch das den Willen ord-uende Gesetz Spuren an sich, daß es mit Rücksicht auf die sittliche Schwäche !des Geschlechtes gegeben und daher nur für eine gewisse Zeit bestimmt sei j
und sowohl durch höher gesteigerte sittliche Forderungen als durch aus- sschließliche Beziehung der Vorschriften auf die höchsten Beweggründe ^ergänzt werden müsse. Wenn bei der Blödigkeit seines Geistes demVolke, ungeachtet so vieler Anstalten zur Vereinigung mit Gott, die Lehre 'von der Unsterblichkeit nicht dargelegt ist, wenn bei der Härte seines