Die Israeliten.
83
zu sein. Hierzu mußten sie aus Nomaden zu einem gesitteten Volkeumgebildet werden, was durch Versetzung in ein Land geregelter Staats-Verhältnisse möglich wurde. Dieser Ucbergang wurde vorbereitet durchden jüngsten der elf dem Jakob noch im Enphratlande geborenen Söhne,der am wenigsten kriegerisch, aber, wie durch Sittenreinheit hervor-ragend, für übernatürliche Eingebungen empfänglich war. Wenn da-mals, wie wahrscheinlich ist, die Hyksos in Aegypten herrschten, so er-klärt sich dadurch nicht allein die Leichtigkeit, mit welcher Joseph imLande zu Ansehn und Macht gelangte und die ganze Familie Aufnahme imLande fand, sondern es erweist sich als ein der Erziehung des Volkes förder-licher Umstand, daß der Pharao, der bei ihrer Aufnahme auch auf dieEigenthümlichkeit der wirklichen Aegyptier Rücksicht nimmt, den Fremd-lingen ihre Beschränkung auf das der syrischen und arabischen Grenzebenachbarte Land Gosen zur Bedingung des verheißenen Schutzes macht.So wurden sie im Genuß der Vortheile, welche die Berührung mit derägyptischen Cultur bot, zugleich bewahrt vor der Gefahr der Zerstreu-ung, in welcher sich ihr eigenthümliches Gepräge verwischt und somitauch die Fähigkeit zur Erfüllung ihrer Bestimmung verloren habenwürde. In Aegypten schließt sich die Familiengeschichte mit dem TodeJakobs. Er überträgt den Vorzug des Erbrechtes auf den einen vonJosephs Söhnen, Ephraim, das priesterliche Recht auf Levi und dieHerrschergewalt auf Juda. Der prophetische Blick, mit welchem er indie Zukunft seines Volkes schaut, zeigt ihm in der Zeit, wo Juda's Herr-schcrgewalt erlöschen werde, die Ankunft des göttlichen Friedenbringers,der nicht bloß die Stämme Israels, sondern die Völker der Erde umsich schaaren wird. Dieses Schauen weckt in seiner Seele den Geistdes Friedens, der jenes künftige Reich erfüllen soll, und feierlich sagter sich los von dem Geiste der Rache, welche zwei seiner Söhne, Leviund Simeon, Ln Kanaan an dem heidnischen Verführer ihrer SchwesterDina geübt haben. Dem besseren Geiste reift indeß das Volk langsamentgegen; manche That, die jener That der Rache gleicht, wird nochausgeführt und weit entfernt ist die Zeit, da die Wahrheit ohne einendurch augenfällige Wunder geleisteten Schutz ihren Zug durch die Weltbeginnen kann.
5. Nasch geht die Erzählung der heiligen Schrift über die vier-hundert Jahre des Aufenthalts in Aegypten hin und verweilt nur beidem Könige, der von Joseph nichts wußte und die Israeliten drückte.Die Dynastie, unter welcher diese bis dahin in Aegypten gelebt, unter-lag der Erhebung einer einheimischen Dynastie und die Israelitenmußten von den Wirkungen des Haffes, der auf die gestürzten fremdenBeherrscher gerichtet war, mit betroffen werden. Die Hyksos hattenVieles an Bauwerken zerstört und als die nachfolgende Dynastie deren
6 «