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Die Phömcier.
fassung war die Volksgemeinde, die im Laufe der Zeit zu immer größe-rer Bedeutung gelangte. In Staaten, deren ganzes Dasein auf demHandel berichte, mußte der Zufluß von Fremden die Classe der zur Ne-gierung ursprünglich nicht Berechtigten in einem Grade vermehren, daßdie von dem ältesten Stamme der Bevölkerung, von den Gründern desStaates hergeleitcten Geschlechter, die sich noch dazu durch Ausstcrbenund Auswanderung verminderten, wie an Zahl, so an Bedeuiung herab-sanken, an Macht, die angeschwollene Masse des Volkes zu beherrschen,immer mehr verloren und selbst durch Werbung von Söldnerheeren undAussendung von Colonieen die ererbte Macht nicht auf die Dauer be-wahren konnten. Auch die Sklaven waren ein gefährlicher Bestandtheilder städtischen Bevölkerungen, wie aus Nachrichten von Sklavenver-schwörungen und Sklavenaufständen hervorgeht. Die einzelnen Staatenwaren durch eine Art von Bundesverfassung mit einander vereinigt.Die Bundesbehörde war eine Versammlung von Abgeordneten, wozuwohl auch die Könige der betreffenden Staaten gehörten. Diese Ver-sammlung wurde in der Stadt gehalten, welche mit griechischem NamenTripolis, Dreistadt, heißt. Diese Stadt war von Sidon und den beidendurch Sidonier gegründeten Staaten Tprus und Aradus erbaut. Siebestand aus drei besonderen Städten, deren jede einem der drei ge-nannten Staaten gehörte. Es waren also auch nur die drei genanntenStaaten, deren Abgeordnete sich dort zu Berathuug gemeinschaftlicherLandesangelegenheiten, namentlich des Krieges und Friedens, einfandenund die in der Sonderung der drei Städte ein Mittel zur Wahrungihrer Unabhängigkeit hatten. Hieraus ergibt sich, daß die übrigen phö-nicischen Städte zu den drei Hauptstädten in einem Verhältnisse der Ab-hängigkeit und Schutzverwandtschaft gestanden haben müssen. Den Vor-rang in dem Bundesverhältnisse hatte Sidon, die Metropole, in derheiligen Schrift der Erstgeborene Kanaans genannt. So wie aber mitdem Steigen und Fallen der Macht einzelner Städte Veränderungenin den Bundesverhältniffen wie in der Abgrenzung der Gebiete ver-bunden waren, stand Tprus in der Zeit, wo es durch seine Macht Si-don überflügelt hatte, an der Spitze des Bundes und die Fortdauer dersidonischen Ansprüche verursachte eine Eifersucht, als deren Folge esanzusehen ist, daß Sidon sich dem assyrischen Könige gegen Tprus an-schloß. Zur Zeit Davids stand Tprus unter seinem Könige Hiramauf dem Gipfel seiner Macht. Sein Aufschwung war veranlaßt durcheine zweihundert Jahre vorher geschehene Auswanderung aus Sidonnach der schon bestehenden Jnselstadt Tprus, die hierdurch unter derHerrschaft sidonischer Geschlechter zu erhöhter Bedeutung gelangte. Erstnach der Zeit Nebukadnezars erscheint Sidon wieder in höherem An-sehen als Tprus, dessen Macht wohl durch die gegen Babylonien und