Gang und Gliederung der vorchristlichen Geschichte. 25
den Erlöser ebenso fester schließt, wie sie ihre Grenzen erweitert undfür ihre Befestigung und Ausbreitung kein anderes Hinderniß findet, alsdie auch nach der Erscheinung des Christenthums, wenn gleich fort-während bekämpfte und oft besiegte, doch nicht vernichtete Macht auf-rührerischer Triebe in der Natur der gefallenen Menschheit. WaS aberauch in die vorchristliche Geschichte Zusammenhang und stufenmäßigeFolge bringt, ist das allmälige Auölcben der Formen, welche die Mensch-heit in ihrer Abkehr von Gott und der nicht erloschenen Ahnung ihresBerufes zum Zwecke der Einigung sucht und findet. In jeder Zeit stehtunter den am geschichtlichen Leben Theil nehmenden Völkern eines denübrigen voran, als dasjenige, welches mit den Mitteln, die der sichselbst überlassene Menschengeist erschafft, sich zu höherer Einsicht undGesittung als die andern fördert, aber wegen des Mangels an wirk-lichem Glauben und des daraus folgenden Mangels an wirklicher Tu-gend, durch sein Gesammtleben, wie das Leben seiner einzelnen Ange-hörigen, seine Unfähigkeit zur Gründung dauernder Lebenseiurichtungcnbekundet und daher einem andern immer wieder den Platz auf der Bühneräumt, bis das Christenthum eine Ordnung stiftet, die von übernatür-licher Kraft gehalten jene Zertrümmerung der Lebensformen in welcherganze Völker mit der ihnen eigenthümlichen Auffassung der Grundbe-dingungen des Lebens ihren Untergang finden, nicht mehr zuläßt. Auchdiese Erwägung führt auf den christlichen Standpunkt für Betrachtungder vorchristlichen Zeit hin und heißt die Theile der vorchristlichen Ge-schichte zunächst rückwärts von den letzten bis zu den ersten verfolgen,damit dieselben ihr rechtes Licht durch die Beachtung des Verhältnissesempfangen, in welchem sie als vorbereitende Stufen zu der christlichenWeltordnung unter sich und mittelbarer oder unmittelbarer mit der christ-lichen Geschichte stehen.
2. Die Begründung des Christenthums aber weist aus zwei ver-schiedenen Wegen in das Alterthum bis zu der Zeit hin zurück, wo dieersten staatlichen Ordnungen sich gestaltet haben und knüpft auf dem'einen dieser Wege sich an die Geschichte der ursprünglichen Menschheitan, während der andere nur bis zu einer Stelle reicht, wo eine ge-schichtlich nicht auszufüllende Lücke das Hinaufsteigen zu den Anfängenverhindert. Der eine dieser Wege ist durch die Geschichte des israeliti-schen Volkes bezeichnet, dessen wunderbar geordnete, dem Plane dergöttlichen Welterlösung sichtlich eiugefügte Geschicke, nicht allein in dieZeit der ältesten im westlichen Asien entstandenen Staats- und Cultur-formen hinaufreichen, sondern sich auch an Noah, den zweiten Stamm-vater des Menschengeschlechtes, ja mittelst der Aufbewahrung und Fort-pflanzung des Andenkens der vorsündflutlichen Zeit an den ersten Men-schen, das erste Vorbild des Erlösers, anknüpfen. Einzig steht im Alter-