24 Gang und Gliederung der vorchristlichen Geschichte.
betrachten. Die Begebenheiten, mit denen sich, weil sie mit rascherWendung den Geschicken der Menschheit eine neue Richtung geben, derBeginn neuer Zeiträume ankündigt, bilden Epochen, indem sie den Be-trachter zum Stillstehen einladen, damit er mittelst eines Zurück- undVorwärtsschauens das Bewußtsein ihrer Wichtigkeit und der zwischendem Vorausgehenden und Nachfolgenden obwaltenden Verschiedenheitgewinne. Sie sind nämlich in doppelter Beziehung wichtig, einmal in-sofern durch sie eine Reihe vorhergegangener Erscheinungen durch stär-keres Hervortreten des in denselben merkbaren Charakters zum Abschlüssewie zu vollerem Verständniß gebracht wird, und dann, insofern in ihnender Grund zu einer Reihe nachfolgender Erscheinungen gegeben ist,welche nur durch Zurückgehen aus sie gehörig begriffen werden können.Hieraus ergibt sich, daß die Scheidung zweier verschiedenen Zeiträumenicht durch einen scharfen und plötzlichen Einschnitt erfolgt, vielmehr dieEigenthümlichkeiten des Früheren auch in dem Folgenden noch nicht gleichsich verlieren, wie die des Folgenden schon in verwandten Erscheinungendes Früheren als Vorläufern sich ankündigen. Was wir als den Grenz-punkt ansehen, ist nur diejenige Begebenheit, in welcher stärker als inden sie umgebenden die in der Richtung des Weges schon längst all-mälig vorbereitete Wendung sich verräth. Die Gliederung der Geschichtenach solchen Epochen führt zu der synchronistischen Darstellung, wo dasbei verschiedenen Völkern zu gleicher Zeit Geschehene als verwandt, alsWirkung gemeinschaftlicher Ursachen und als zur Hcrvorbringung vonNeuem zusammenwirkend angesehen wird. Die Durchführung diesesVerfahrens stößt aber auf eine Schwierigkeit. Selbst da, wo zwischenden Völkern die engste Verbindung besteht, sind die Bedingungen ihresLebens noch so verschieden, daß sie von großen die Menschheit im Gan-zen ergreifenden Begebenheiten nicht alle gleich schnell und gleich starkund auch nicht immer mit ähnlichem Erfolge berührt werden, vielmehrbildet oft die Kette der Geschicke eines einzelnen ein strenger verbunde-nes Ganze als die Ereignisse, von welchen gleichzeitig verschiedene Völ-ker betroffen werden. Diese Absonderung, welche zu einer ethnographi-schen Behandlung der Geschichte Anlaß gibt, ist in der vorchristlichenZeit so überwiegend, daß die Geschichten der einzelnen Völker die Glie-der sind, aus welchen dieser Theil der Weltgeschichte besteht. Der Ab-fall von Gott, welcher in der nrgeschichtlichen Zeit vorgegangen, hatdie Völker in einer Weise getrennt, daß die Trennung zugleich eineEntzweiung wurde und einem jeden das, was ihm fremd war, auch alsFeindliches gegenüber stand. Erst im Christcnthum wird die trennendeGewalt des Jrrthums überwunden und im Dienste Gottes und iinLichte seiner Wahrheit sammeln sich die Völker wieder allmälig zu einerFamilie, die sich mit der Herrschaft des Christenthums im Glauben an