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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
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Urgeschichte.

Die Classen, in welche dadurch ein Volk zerfällt, werden mit einemWorte, das die Portugiesen nach Entdeckung dieser Einrichtung in In-dien von dorther mitgebracht haben, Kasten genannt. Ein wesentlichesMerkmal derselben ist eine so strenge Scheidung, daß in einer jedenKaste der ihr eigne Beruf auf alle in ihr Geborenen übergeht und sozu Gunsten einer bestehenden Einrichtung dem Einzelnen die Entscheidungüber seine Lebensweise gänzlich entzogen ist. Diese Art der Ungleich-heit läßt sich nicht bloß als Ergebniß von Eroberungen und Einwande-rung betrachten. Mag auch der durch Eroberung geschehene Eintrittvon Völkern in neue Verhältnisse die Ausbildung der Kastenverfassungin eigenthümlicher Weise bestimmt haben, so kann sie doch nicht darausentsprungen sein, weil es überall der Kasten mehr als zwei gibt undweil eine Reihe auf einander folgender Eroberungen, deren jede eineneue Abstufung dieser Art hervorriefe, die unzulässige Vorstellung vonVölkern fordern würde, deren jedes unter den zum Gesammtleben noth-wcndigen Tätigkeiten entweder nur eine geübt oder nach seinem Ein-dringen in fremdes Land nur eine beibehaltcn hätte. Dazu kommt, daßdie überall sich findende Kaste der Krieger, welche man auf das zuletztsiegreich eingezogene Volk zurückführcn müßte, bei ungestörter Kastcnvcr-fassung nur den zweiten Rang behauptet, während die an Macht undAnsehen über allen andern stehende Kaste der Priester am wenigsten als derStamm, der sich frühere Bewohner des Landes gewaltsam unterthänig ge-macht habe, gedacht werden kann. Der Gegensatz, in welchem die Priester--kaste zu der Gesammtheit der übrigen Kasten steht, deutet darauf hin,daß zunächst sie sich aus dem Volke ausgeschieden und unter ihrem Ein-fluß die fernere Gliederung sich gebildet habe. Während der Erweite-rung der Stämme zu Völkern und der Gestaltung der ersten staatlichenVerbände, als der Mensch sich selbst überlassen die Mittel zum Wider-stande gegen fortschreitende Verwilderung, mit deren Anblick fremdeStämme ihn schreckten, aufzufinden bemüht war, ward er inne, daß eszur Erhaltung dessen, was er noch an Einsicht, Sitte und Religion be-sitze, einer strengen und eifersüchtigen Hut und Pflege bedürfe. Sobildete sich, ohne Zweifel weniger in Folge einer Berechnung, als, unterder Herrschaft eines gewissen für Ordnung von Lebensverhältnifsenmächtigen Triebes, jene höhere Classe, die den Verkehr mit den Götternleitete, die Grundsätze des Lebens aufstellte und festhielt und über Er-haltung und Ausbildung alles dessen, was Grundlage des gemeinsamenLebens war, wachte. Ihre Sorge erstreckte sich auf Alles, wozu eshöherer Einsicht bedurfte und das staatliche Leben wurde bis in seineeinzelnsten Regungen unter die Aufsicht derjenigen gestellt, denen maneinen näheren Verkehr mit der Gottheit und eine Kenntniß von derenWillen zuschrieb. Dieser Einrichtung Dauer zu verleihen und der Ver-