18
Urgeschichte.
die Ankömmlinge in die gegebene Verfassung ein. So sind die Völker,so die Staaten erwachsen, ohne daß Verabredung und Vertrag dasBand geknüpft und ein Haupt an die Spitze gestellt hätten. Mit wei-terer Entfernung von dem Ursprünge dieser Verfassung verdunkelte sichjedoch der Begriff von ihrer Bedeutung und häufig war eine Entartungdie Folge. Verwechselungen, ähnlich und verwandt denjenigen, welchebei der Ausbildung des Heidenthums wirksam waren, machten den Re-genten aus einem Vertreter göttlicher Ordnung zu einer Verkörperunggöttlichen Willens und schufen die patriarchalische Regierung in eineHerrschaft der Willkühr und der Laune um. So entstand aus der Mo-narchie die Despotie. Hierzu haben außer entsprechenden religiösenBegriffen und dem Mangel einer zum Gefühle der Kraft führendenThätigkeit und Regsamkeit der Einzelnen am meisten Eroberungen bei-getragen. Unterworfenen legten Sieger ein Gesetz strenger Abhängig-keit und Unterwürfigkeit auf und dieses, vom Führer des siegreichen Vol-
kes gchandhabt, übertrug sich, wo die Sieger sich unter die Besiegtenmischten und verloren, von den Besiegten auf die Sieger. So festauch eine solche Macht des Einzelnen auf religiösen Ansichten zu fußenschien, so leicht wurde sie unter begünstigenden Umständen eine Beuteder Empörung, da sie bei der in ihr liegenden Unwahrheit sich nurmit falschem Schimmer umgeben konnte und diejenigen, welche demHerrscher zunächst standen, nicht in der Meinung, in der sie wurzelte, zuerhalten vermochte.
14. Hatto die Vereinigung eine zu ihrer Erhaltung nöthige Un-gleichheit des Ansehens und der Macht unter den Menschen geschaffenund nur das Heidcnthum dieses der göttlichen Wcltordnung entsprechendeVerhältniß verzerrt, so schuf der feindliche Gegensatz der Menschen untereinander, eine andere der menschlichen Würde noch weit mehr wider-sprechende Ungleichheit. Gab der Sieg im Streite den Einen in dieMacht des Andern, so steigerte sich die Verkennung des brüderlichenVerhältnisses unter den Menschen dermaßen, daß der Ueberlegcne denSchwächeren, wie eine leblose Sache, sich zum Eigenthum machte und,ohne ihm irgend einen Rest von Selbstständigkeit zu lassen, in den Dienstder selbstsüchtigsten Willkühr herabzog. Dieses ist der Ursprung der Skla-verei, die sich, einmal entstanden, als ein naturgemäßes Verhältniß dar-stellte, welches der bei Verschiedenheit der Beschäftigung unvermeidlichenUnterordnung der Einen unter die Andern entspreche und, indem cseinen vermeintlich zu höherem Dasein bestimmten Theil der Menschheitjeder niederen Arbeit überhebe, zu Erhaltung einer unentbehrlichen Ord-nung beitrage. Einen mächtigen Hebel zur Vermehrung der Sklavenbildeten die Kriege, in welchen den Siegern ein Theil der Ueberwunde-nen gefangen in die Hände fiel. Die Rache wegen hartnäckigen Wider-