Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Urgeschichte.

11

die Annahme eines unabhängigen Entstehens dxr einzelnen ausschließt,indem oft bei Vergleichung übereinstimmender Eigenthümlichkeiten ver-schiedener Sprachen die der einen im Verhältniß zu denen der anderndas Gepräge der Ursprünglichkeit tragen. Demgemäß ist bei der Bildungder Sprachen eine wachsende Entfernung von der Ursprache anzunehmen,und es ist, wenn auch vergeblich, in einer der vorhandenen die Urspracheentdecken zu wollen, doch nicht vergeblich, nachzufragen, in welcher sichBestandtheile der Ursprache in größter Zahl und mit geringster Verän-derung erhalten haben. Der Unterschied der Sprachen ist hierbei aberso groß, daß eine Entwicklung in der Art, wie, sie die Geschichte beimanchen verfolgen kann, zur Erklärung der ersten Trennung, welchenach der heiligen Schrift auch im Beginne der Wanderungen erfolgtist, keineswegs hinreicht. So tritt die Sprachenkunde zu der heiligenUeberlieferung in ein ähnliches Verhältniß, wie die Geologie, indemauch sie das Abweichen der ersten großen Veränderungen von den imnachherigen Laufe der Geschichte entdeckten Gesetzen bestätigt. Zugleichhat auf diesem Wege die zuweilen in Zweifel gezogene Einheit desmenschlichen Geschlechtes eine wissenschaftliche Bestätigung erhalten, unddie Vergleichung der Sprachen ist zum Leitfaden geworden, um dieWege, auf welchen die Verbreitung der Völker vor sich gegangen,aufzufindcn.

7. Eine nicht minder starke, und nach den durch geschichtliche Be-obachtungen gewonnenen Maßstäben unerklärliche Scheidung, ist die nachder Körperbildung. Ganze Massen von Völkern zeigen ein gemein-schaftliches Gesetz der Körperbildnng, das alle Individuen ihres Bereichesbeherrscht und sich hauptsächlich in der Form des Schädels und derHautfarbe offenbart. Ueber die Zahl dieser Verschiedenheiten, die manmit dem Namen Racen bezeichnet, kann insofern Zweifel sein, als dieZwischengattungcn deren Feststellung erschweren. Doch hat man sichgewöhnt, alle Völker, soweit sie nicht durch Hinüberspielen aus einerNace in die andere als Mittelracen daftehen, fünf Hanptracen, derkaukasischen oder weißen, der mongolischen oder gelben, der äthiopischenoder schwarzen, der malapischen oder braunen und der amerikanischenoder rothcn unterzuordnen, von denen die zwei letzten als Mittelgliederzwischen der kaukasischen und äthiopischen und zwischen der kaukasischen undmongolischen betrachtet werden können. Die erste, von der Gegend be-nannt, wo man sie in vorzüglicher Reinheit und Schönheit zu findenglaubte, bildet die Bevölkerung des südwestlichen Asiens bis zum Süd-rande des hinterasiatischen und zum Nordrande des vorderasiatischenHochlandes, sowie bis zur hinterindischen Halbinsel, ferner Europas,den Nordrand desselben abgerechnet, und der nördlichen Küstenländervon Afrika. Die zweite und dritte, nach Hauptvölkern benannt, erfüllen