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Rede über dm Kaiser
Negierung bewirkte er durch Mäßigung und Tugend, daß Keinendiese Wahl gereute. Denn sobald er den Thron übernommenhatte, war es sein erstes Geschäft, seinem Reiche, mit Verhü-tung öffentlicher Bewegungen, und mehr durch kluge Maßregeln,als durch Waffen, einen festen Frieden zu geben. Der Baiernämlich und der Oe streich er, damals, so wie auch jetzt, diemächtigsten Fürsten Deutschlands, waren entzweit. Es betrafGränzstreitigkeiten, und Jeder rüstete sich zum Kriege, und wärederselbe nicht durch die Sorgfalt des Kaisers Friedrich unter-drückt worden, so würde ec für ganz Deutschland verderblich ge-worden sein. Obgleich aber Friedrich mit Jedem von ihnenverwandt war, so stand er doch dem Ocstrcicher näher. Da-her hat er hier ein seltenes Beispiel von seiner Mäßigung undRechtlichkeit abgelegt. Denn er zog diesen nicht etwa dem Baiervor, und glaubte, die Sache des ihm näher Verwandten nichtmehr begünstigen zu dürfen, als er sich überhaupt verpflichtethielt, für die Erhaltung des Friedens zu sorgen. Ja, da ec we-gen der Verwandtschaft großem Einfluß auf den Ocstrcicherhatte, redete er ihm zu, daß er in Ansehung seines Rechts lie-ber nachgeben und lieber zurück treten, als weiter gehen, und daßer dieses um des allgemeinen Friedens Deutschlands, und mitRücksicht auf seine kaum angetretenc Regierung thun möchte.Damit er aber diesen Verlust leichter verschmerzen könnte, er-höhte er die Familie der Oestreicher durch Ertheilung einerWürde; denn da sie zuvor Markgrafen gewesen, wurden sie da-mals mit dem Herzogentitcl beschenkt. Auf diese Weise warddurch die Rechtlichkeit des Kaisers theils das Gebiet des Baicrnerweitert, theils die Veranlassung zu einem furchtbaren Kriege aus-gehoben. Wie sehr eine solche Mäßigung von einem solchen Fürstengerühmt zu werden verdient, ist nicht schwer cinzuschen. Dennkeine Eigenschaft ist für Fürsten empfehlender, und für das Ge-meinwesen nöthiger, als wenn sie ihren eigenen, besondern Nei-gungen und Vorthcilen das allgemeine Wohl des Vaterlandesvoranstellen. Kein Sieg ist rühmlicher, als sich selbst beherr-schen, und um der allgemeinen Ruhe und Sicherheit willen vonseinem eigenen, besondern Rechte Etwas Nachlassen. Von wievielen Staaten lesen wir, daß sie durch Ehrgeiz und Hartnäckig-keit ihrer Fürsten zu Grunde gerichtet worden sind, welche lieberAlles in Verwirrung bringen, und aufs Spiel setzen, als denSchein geben wollten, daß sic auch nur um ein Haar breit denübrigen Bürgern nachgegeben hätten l Das war die einzige Ursache