Dem Hochgcbornm, edlen Grafen Johann vonWeda rc. rc.
Philipp MelanchLhon. 1539.
(Großes Vergnügen hat mir die Rede des Peter Medmanngewährt, indem sie mir Deinen edlen Charakter, Deinen wissen-schaftlichen Eifer und Deine rühmlichen Bestrebungen verkündigte.Denn was ist auch mehr zu wünschen, als daß der Adel, derberufen ist, die Ruder des Staat» zu führen, sowohl durch na-türliche Güte sich anszcichne, als auch einen solchen Grad wissen-schaftlicher Bildung erstrebe, um seinen Beruf wahrhaft verstehenund desselben treulich wahrnehmen zu können2
Als wir daher über die wissenschaftliche Bildung des Adelsund andere Thcile des Staatswesens sprachen, und Peter meinte,es würde Dir rin Brief von mir nicht unangenehm sein, brachteer mich leicht dazu, Dir zu schreiben. Ich vertraue aber DeinerHumanität, daß Du meinen Brief sowohl, als auch die Freund-schaftsbeweise meines Standes nicht verschmähen werdest. Stetsaber ist cs meine Ucberzeugung gewesen, die Natur erweise sichin den edlen Heldengeschlcchtern ausgezeichneter, als in der übri-gen Menge. Denn da der Unterschied der Stande eine göttlicheAnordnung ist, und Gott das Helücngcschlecht über die klebrigengesetzt hat; so hat Er demselben auch, wie Plato mit Recht be-hauptet, lebendigere, edlere und glücklichere Empfindungen zugc-rheilt. Wenn dem aber wirklich also ist, so muß man wahrlichbeklagen, daß diese herrliche Kraft der Natur so oft, entwederdurch Trägheit erlöstet, oder durch schlechte Beispiele verdorbenwird. Ich ermahne Dich darum zuerst, daß Du oft und mitErnst erwägest, wie reich Go« die edlen Geschlechter ausgestattet;dann daß Du die vonDir verliehenen Vorzüge durch Ge-lehrsamkeit, Sittlichkeit und vertraute Bekanntschaft mit Kunstund Wissenschaft zu erhöhen Dich bemühest. In dieser Beziehung