Rede bei der feierlichen Eröffnung einer neuenSchule, gehalten in Nürnberg vor einer Ver-sammlung ausgezeichneter Gelehrter und fastdes ganzen Senats. 1520.
1§uch, erlauchte, weise Männer, Euren Kindern und dem gan-zen Gemeinwesen zum Heil und Segen wollen diese Männer,welche Ihr nach öffentlicher Berathung hiehec berufen, um dieWissenschaften zu lehren, die Schule eröffnen, und das soll Euch,ihrem Verlangen gemäß, meine Stimme anzeigen. Denn wieman im Schauspiele den Gebrauch beobachtet, daß vor der Hand-lung der Prolog sich über den Zweck des Dichters und über denInhalt des Drama verbreitet; so haben sie, zu Folge der An-sprüche, welche ihnen unsere lange bestandene Freundschaft gibt,mich aufgefordert, gleichsam den Prolog zu dem Drama vorzu-stellen, welches sie aufführen wollen. Und wie ich auch denVorwurf anmaßender Voreiligkeit auf mich lud, indem ich denSchein zuließ, als wollt' ich andern, an Veredtsamkeit hoch aus-gezeichneten Männern den Vortritt aus der Rednerbühne ent-reißen, so stand es doch nicht ganz bei mir, ihre Aufforderungabzulehnen, sondern ich mußte, selbst mit Gefahr einigen Nach-theils für mich, diesen meinen werthesten Freunden zu Willensein, und die Rolle übernehmen, welche ich mir nicht aus eige-nem Antrieb angcmaßt, sondern durch ihren vollgiltigen Auftragerhalten habe.
Da cs aber diese Stätte fordert, daß Euer Plan, den Ihrin Betreff der Gründung dieser Schule gefaßt habt, in seinerhohen Verdienstlichkeit dargestellt werde, so wünscht' ich wohl,diese Aufgabe möchte von Solchen behandelt werden, welche mithöherer Veredtsamkeit denselben nach Verdienst zu preisen, unvin einer der Wichtigkeit dieses Gegenstandes völlig entsprechendenRede ihn darzustellen vermöchten. Denn bei meiner schwachen