Rede über den Apostel Paulus,
gehalten 1543.
^-Ae Kirche legt an diesem Tage die Geschichte des Pauluszur Betrachtung vor, und preist die Wohlthat Gottes, der so-wohl in der Begnadigung dieses widerstrebenden Feindes denUcbrigen ein glanzendes Beispiel Seiner Barmherzigkeit ausgestellt,als auch einen Lehrer uns gegeben hat, der nicht nur währendseines Lebens, fast sechs und dreißig Jahr hindurch, das Evan-gelium in einem großen Theile von Asien und Europa aus-gebreiret hat, sondern auch, nachdem ec von seinem Kampfe ab-gerufen worden, durch die von ihm hinterlassenen, äußerst nütz-lichen Denkmäler fortwährend die Kirche unterrichtet.
Nichts aber ziemt uns mehr, vornehmlich in diesen unfernVersammlungen, als daß unsre Stimme und Gesinnungen undWünsche mit der Kirche Gottes im Einklänge stehen. In Er-wägung dieses, hielt ich keinen Gegenstand für so angemessen,als gerade von Paulus zu reden, zumal da seine Geschichte,in Bezug auf die Studien, mit welchen eben wir uns beschäfti-gen, wie in Bezug auf unfern ganzen Lebenswandel, gar manchenützliche Weisungen gibt. Denn welchen andern Schriftstellerhaben wir, der die philosophische Lehre von der evangelischen mitmehr Genauigkeit unterschiede, der den Nutzen beider so klar undeinleuchtend darthäte, der den Begriff unscrs Gemeinwesens, d. i.die Kirche, uns besser verdeutlichte, und uns oster daran erin-nerte, über welche Sachen die Kirche Belehrung wesentlich be-dürfe? Auch weiß ich, daß Ihr Alle den Namen des Paulusso sehr liebt, daß Ihr mein Vorhaben unbedingt billigen werdet.Aber ich will es nur unumwunden sagen, daß mich, obwohl ichbei keiner Sache mit größerem Vergnügen, als bei Betrachtungder Lehrweise und Wirksamkeit eines Paulus, und ähnlicherMänner verweile, dennoch der Umfang und die Wichtigkeit derGegenstände bestimmte, nach einem andern Thema zu suchen.