Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
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Rede, gehalten bei dem Begräbniß des Kur-fürsten Friedrich (des Weisen) von Sachsen.

1525.

->Hch fühle, daß mir bei dieser allgemeinen Trauer, bei diesem tiefenSchmerze Aller, da wir theils den Hingang des weisesten Fürstenzu beweinen, theils den schmerzlichen Verlust, welchen der Staatdurch sein Hinscheiden erlitten, zu beklagen, theils durch den Trostder Rede die Herzen der Hohen, oder auch des Volkes aufzurich-ten haben, nicht nur die nöthige Sammlung des Geistes gebricht,sondern auch meine Stimme selbst wird als Zeuginn meiner ho-hen Verpflichtung und Verehrung gegen ihn durch Wehmuth undThranen gehemmt. Und in je höherem Grade die ausgezeichne-ten Tugenden dieses Fürsten die Ehre verdienen, mit welcher vonjeher wohlgeordnete Staaten das Gedächtniß großer Männer ge-feiert haben, desto mehr bekümmert es mich, daß ich, gerade jetzt,wo der Schmerz noch so neu ist, seine herrlichen Verdienste nichtgebührend zu preisen vermag. Denn wenn mich schon der Ver-lust des Staats, welchem bei diesen Unruhen, bei dieser Finster-niß die Weisheit dieses Mannes eben gleich dem Lichte Bedürs-niß war, heftig bewegt, so muß meine eigene besondere Trauerden Schmerz nur vermehren. Denn da ich ihn, als er noch un-ter uns lebte, nicht nur wegen unzähliger Wohlthaten, die vonihm mir zu Thcil wurden, verehrte, sondern auch wegen seinerhohen Vortrefflichkeit in hohem Grade bewunderte und liebte, sokonnte es nicht anders sein, der Tod eines solchen Mannesmußte mich mächtig erschüttern. Ich will daher, theils aus Man-gel an Fähigkeit, theils von Schmerz besangen, nicht versuchen,seinen Vorzügen eine Lobrede zu halten, nur mit diesen Klage-lauten und diesen Thränen will ich die dankbare Empfindung mei-nes Herzens darlegen, damit man erkenne, daß sein edler Cha-rakter mir werth, meine Verpflichtung gegen ihn mir theuer ge-wesen.