Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
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Rede über den Nutzen der Philosophie,

gehalten (bei der Magisterpromotion einiger Studirenden)

1536.

«X^ch hoffe, mein Betragen ist Euch Allen aus eigener Beobach-tung hinlänglich bekannt, um Euch leicht zu überzeugen, daß ichnicht aus Unbescheidenheit, oder Einbildung auf meine Fähigkei-ten, oder aus einer gewissen unberufenen Geschäftigkeit abermals >dieses Rednergcschäft übernommen. Denn als der vortreffliche !Dekan unsers Collegium, Jakob Milichius, der mir wegenseiner ausgezeichneten Rechtschaffenheit, so wie wegen unserer,durch die Wissenschaft und vielfachen Freundschaftsdienste vermit-telten Verbindung besonders theuer ist, mir dasselbe übertrug, bc- >stimmte mich einige Rücksicht auf meine Verbindlichkeit gegenihn, daß ich dem Wunsche des Freundes glaubte Folge leisten zu 'müssen. Denn ich bin nicht so sehr ein Suffenus, *) noch be-sitz' ich eine solche lächerliche Selbstgefälligkeit, um zu verkennen,daß es in dieser Hochschule viele andere, sowohl von Natur zumReden geschicktere, als auch mit Gelehrsamkeit trefflicher ausge-stattete Männer gibt, als ich bin; und wahrlich, ich zolle ihnenreichlich den Ruhm der geistigen Fähigkeiten und der Gelehrsam-keit! Ich wollte aber nicht den Schein eigensinniger Weigerungaus mich laden, als mein werthestcr Freund diesen Dienst vonmir erheischte. Doch keine weitere Rechtfertigung! Denn ich lglaube von Seiten meines Betragens Euch hinlänglich bewährt lzu sein. Und das ist's ja vornehmlich, worauf es nach jenemVerse ankommt, in welchem eS heißt:

Des Redners Wandel ist es, nicht die Rede, welche überzeugt."

Es ist aber in weiser Absicht die Einrichtung getroffen worden,daß bei diesen Feierlichkeiten entweder über die Wissenschaften,oder über den Ruhm der Tugenden gesprochen wird. Um daherein dieser Stätte angemessenes Thema vorzulegen, und Ewas

*) Ein eitler römischer Dichterling.