Rede über den Kaiser Friedrich Barbarossa.
^-bgleich ich das Bestreben und die Absicht derer, welche dieGeschichte berühmter Männer, die unter den Griechen und Rö-mern hervorgetretcn sind, hier Vorbringen, recht sehr billige; dennes kommt allerdings sehr Viel darauf an, daß wir so viel möglichmit der Kenntniß der Geschichte ausgestattet werden: so ist esdoch, wie es mir wenigstens scheint, vielleicht noch nützlicher, derAufhellung und Darstellung der einheimischen, vaterländischenGeschichte vor der ausländischen Fleiß zu widmen. Denn einmalwirken einheimische Muster kräftiger auf die Gemüther, weil esja das Schimpflichste ist, als entartet zu erscheinen. Sodann
müssen die meisten gegenwärtigen Verhältnisse mehr nach den >Thaten unsrer Vorfahren, als nach der Geschichte derer beur-theilt werden, welche in andern Staaten, unter dem Einflüsse ^
anderer Verfassungen, sich hervorgethan haben. Da man daher s
in dieser Staatssorm zum Behuf der Geschäftsführung Vieles
aus der vaterländischen Geschichte entlehnen muß, so liegt es unsob, nicht nur das Fremde mit unserer Wißbegier zu fassen, und,wie man zu sagen pflegt, außer dem Hause weise zu sein, son-dern unsre eigne Geschichte müssen wir studiren und lernen, wieder Homerische Vers erinnert:
„Daß i» Mcgara Gutes sowohl als Böses geschehen."
Ja es ist sogar eine gewisse Pietät, der Verherrlichung undAufhellung der vaterländischen Geschichte seine Kraft zu widmen,und wie der Dichter spricht:
„Heilig ist das Geschäft, zu erzählen die Thaten der Väter."
Endlich wirkt dieser Stoff auch auf die Ausbildung derSprache vortheilhafter, weil die fremde Geschichte in der Bear-beitung der beredtesten Schriftsteller vorhanden ist, aus denenman nicht nur in Ansehung der Lhatsachen, sondern auch derschönen Darstellung leicht Manches entlehnen kann. Der ge-