Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Rede über die Einnahme und Plünderung derStadt Rom,

gehalten 1527.

A^bgleich ich wußte, daß die, welche an dieser Statte, dem Ge-brauch der Schule gemäß, Themata aus dem Gebiete der Dich-tung behandeln, eine weit weniger schwierige Aufgabe überneh-men, als die, welche Gegenstände aus dem wirklichen Leben dar-stellen: so drängte mich doch nicht das Vertrauen auf meine in-nere Fähigkeit, deren Unbedeutendheit ich wohl kenne, sondern dieGröße meines Schmerzes, daß ich nicht ein erdichtetes, aus ir-gend einem alten Trauerspiele entlehntes Thema, sondern eineGeschichte, die nur zu wahr ist, aus diesen Rednersiuhl brachte.Ich will nämlich von der schrecklichen Plünderung Roms spre-chen, und das schimpfliche Loos einer Stadt beklagen, welcheunter allen als Königinn und Gebieterin:: da steht. Denn da Nie-mand so rauh und aller menschlichen Empfindung so entfremdetist, daß ihn nicht das unwürdige Schicksal des Vaterlandes, dasihn gezeugt und erzogen hat, mit tiefem Schmerz erfüllen sollte,mit welcher Empfindung werden wir da die Zerstörung und Ver-wüstung der Stadt Rom vernehmen müssen, da diese einzigeStadt das gemeinsame Vaterland aller Völker in allen Länderngewesen ist? Ich wenigstens fühle mich von dem unglücklichenLoose dieser Stadt wahrlich nicht weniger ergriffen, als mich dasUnglück der Stadt selbst, welche mich bei meiner Geburt ausge-nommen, erschüttern würde! Da es nun, unserm Gebrauchegemäß, an mir war, an dieser Stätte zu reden, könnt' ich, in-dem mein Gemüth so sehr von Schmerz eingenommen war, kei-nem andern Gegenstände meine Rede widmen.Wo es schmerzt,"heißt es,da hat ec die Hand." Weil mir daher unablässig vorAugen stand die Plünderung und der Brand jener Stadt, welcheV. 8