RaLhschlag der Theologen zu Wittenberg anJohann Friedrich, Kurfürsten zu Sachsen,über den Krieg wider den Kaiser.
Vom Jahre 1546 *).
§ubas aus Gott Ist, wird nicht vertilget; dieweil denn dieseLehre, so Gott in unsern Kirchen gnädig geoffenbaret hat, inihrem rechten Verstände gewißlich aus Gott ist, so wird sie Gottnicht lassen ausrotten, und werden etliche Lande und Städtebleiben, darin sie leuchten wird.
Gleichwohl können daneben auch Strafen über uns kommen,wie Petrus spricht: Gott fängt die Strafe an an seinem eigenenHause, denn wir haben leider auch Sünde. Darum ist Zeit, zuGott mit Herzen zu seufzen und um Gnade, Rath und Hilfeum unsers Heilands willen zu bitten, daß Er um Seiner Ehrewillen uns gnädiglich schützen wolle, daß die Feinde nicht sagen:wo ist nun ihr Gott?
Uns für unsere Person wäre viel leichter zu leiden und zusterben, denn zu rathen auf ungewissen Argwohn; denn wennes gewiß ist, daß der Kaiser diese Stände von wegen der Reli-gion überziehen wolle, alsdann ist kein Zweifel, diese Ständethun Recht, so sie sich und die Ihrigen ernstlich mit GottesHilfe schützen, wie S. Paulus spricht: Die Obrigkeit führt dasSchwert nicht vergeblich, sondern sie ist Gottes Dienerin, undsoll strafen diejenigen, so Arges thun, als Mörder, und isteine solche Gegenwehr nicht anders, denn als so man einem Hau-
H Dieses von Melanchthon verfaßte und von ihm, Johann Bugen-hagen, KaSpar Crcuzigcr und Georg Major Unterzeichnete Be-denken, ward »ach der Mühlbcrger Schlacht, unter den zerstreutenPapieren der kurfürstlichen Feldkanzlci, in der Lochauer Heidegefunden, an Georg Major, und später von der Universität inWittenberg an den Kurfürsten August abgcliefert.