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Rede von dem Ansehen der Gesetze,
gehalten 1538.
iLs gibt nichts Nützlicheres im Leben, als den Gcmüthem einegute und achtungsvolle Meinung von den Gesetzen einzupflanzen,und nichts Verderblicheres gibt's im Leben und im Lode, alswenn man die Gemüther zur Verachtung und Verhöhnung derGesetze gewöhnt. Da es nun äußerst heilsam ist, daß dieß derJugend öfters eingepragt werde, so geschieht nach meiner Mei-nung sehr recht daran, wenn bei diesen öffentlichen Promotionender nämliche Gegenstand: „von dem Ansehen der Gesetze," öfters ^behandelt wird. Und welches Geschäft ist auch rühmlicher, alsdie Geschenke der Gottheit zu preisen und zu verherrlichen, und ^die unerfahrne Jugend zu inniger Befreundung mit den Dingen, !welche das Nützlichste im Leben sind, und zur Hochschätzung der-selben zu ermuntern? Oder was verdient mehr, in gelehrten Krei-sen zu ertönen, als solche Reden, welche auf die VerherrlichungGottes, und die Zucht der Jugend berechnet sind, zumal dadie Zusammenkünfte unwissender, lasterhafter Menschen von un-mäßigen Schmähungen der Gesetze widerhallcn? Es ist aber oftder Gedanke in mir aufgestiegen, daß solche Schmähungen nichtnur aus menschlicher Unwissenheit und Verkehrtheit entstehen, son- rdem daß sie vom Teufel gleich scharfen Stacheln in die rohenGemüther, um sie zu zerfleischen, geworfen werden, damit dieAchtung gegen die Gesetze erlösche, und Auslösung der Zucht undOrdnung erfolge, welche für die Religion sowohl, als für diegemeinsame Wohlfahrt und Sicherheit- verderblich ist. Es fordertaber unsre Stellung und unser Amt uns aus, jene Stachel, d. h. ^jenen falschen Wahn, aus den menschlichen Gemüthern auszurei-ßen, das hohe Ansehen der Gesetze und des Rechts durch Wortund Beispiel ins Licht zu setzen, und zu verherrlichen, und soviel an uns ist, für die Ausrechterhaltung der öffentlichen Zucht