Rede über den Ausspruch Christi: „Vater, heiligesie in Deiner Wahrheit!" (Joh. 17,17.)
Gehalten 1550.
^ir, allmächtiger Gott, ewiger Vater unsers HerrnJesu Christi, Schöpfer des Himmels und der Erde, der Men-schen und jeglicher Creatur, nebst Deinem Sohne, unsermHerrn Jesus Christus, und dem heiligen Geist sagenwir Dank, daß Du bis anher in diesen Landen Dir eine Kirchesammlest, und Frieden und andere Güter verleihest; und bittenDich demüthig und mit heißem Flehen, Du wollest auch fernerstets mit uns sein, Deinem Sohne ein Ecbtheil sammeln, unddiese Lander, welche der Kirche Schutz und Pflege gewähren, inDeinen Schutz nehmen! —>
Ihr wißt aber, daß es ein sehr alter und höchst nützlicherGebrauch der Kirche ist, daß man sich zu gesetzlichen Synodenin der Absicht vereinigt, damit der Zustand der Lehre und Sit-ten untersucht, damit Uebereinstimmung in der wahren Lehre er-halten, und die Jucht mit Mäßigung geübt werde. Dieser Ge-brauch ist mit Gottes Hilfe jedes Jahr von uns beobachtet wor-den, und ich hoffe, daß unsre Mühe dabei sowohl der Kircheersprießlich, als auch Gott wohlgefällig gewesen. Nothwendigaber muß man bei diesen Zusammenkünften Einmal, Gott dan-ken und Ihn um Erhaltung der Kirche anrusen, sodann aberauch irgend einen Ausspruch, der wie zum Trost, so zur Ermun-terung sich eignet, öffentlich vortragen.
Da ich nun gar oft das brünstige Gebet des SohnesGottes, das Er kurz vor seinem Tode gesprochen, betrachte, soHab' ich daraus die Worte genommen: „Vater, heilige siein Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit!"
Heilsam ist's, dieses ganze Gebet, in welchem der SohnGottes, als Hoherpriester, in feierlichen Worten dem ewigen Va-