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Rede über den Ausspruch Christi:
verholt lesen muß, die, damit die Lehre, wenn auch vielleichtrichtig aufgefaßt, nicht durch Nachlässigkeit wieder verwischtwerde.' Wie man zarte Pflänzchen durch öfteres Begießen pfle-gen muß, so muß inan durch häufiges Lesen, durch Unterhal-tung und viele andere Uebungen die empfangene Lehre nährenund befestigen, wie 5. Mose 6, 6. geboten wird: „Und diese
Worte, die Ich dir heute gebiete, sollst du zu Her-zen nehmen, und sollst sie deinen Kindern wider-holt ein scharfen und davon reden, wenn du in dei-nem Hause sitzest, oder auf dem Wege gehest, wenndu dich niederlegst oder aufstehest!" Er will, sie sollenwiederholt und fleißig eingeschärft werden, zu Hause und außer-halb, des Morgens und des Abends. Und Paulus spricht:„Halt' an mit Lesen!"*) Gewiß, durch solche Ermahnun-gen müssen Gemüther, die nicht eifern sind, gewonnen werden,daß sie Fleiß und Eifer im Lesen sich aneignen.
Die dritte Ursache, welche auch in den Worten: „Heiligesie in Deiner Wahrheit; Dein Wort ist die Wahr-heit!" begriffen liegt, ist die wichtigste. Bei dem Lesen, Hö-ren und Betrachten des göttlichen Wortes ist Gott wirksam, undwirkt durch den heiligen Geist in den Gemächern angemesseneRegungen. Denn man muß Solches mit der Ucberzeugung le-sen: Gott redet mit Dir. Dir gilt das Wort: „Kommtzu MirAlle, die ihr mühselig und beladen seid!"**)Dich redet der Sohn Gottes an; du sollst glaubcnsvoll bittenund Hilfe erwarten, zu welcher Zeit du auch diesen Spruch lesenoder darüber Nachdenken magst. Es ist nicht die Erzählung einerfremden Geschichte, wenn Aeneas zu den Gefährten spricht:
Duldet standhaft, Genossen; erhaltet euch glücklicher» Zeiten."
Gott predigt dem ganzen Menschengeschlechts, und will, daßJeder ergreife, was Er spricht. Auf diese Weise will Er unssichtbar sein; Er will Hilfe leisten denen, welche, durch diese Stimmeaufgerichtet, zu Ihm nahen. Darum spricht Paulus: „Wasgeschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben,auf daß wir durch Geduld und Trost der SchriftHoffnung haben."***) Wenn hier Paulus versichert, daßdie prophetischen Schriften Trost bieten, so müssen nothwendigdie Verheißungen, welche wir lesen, auch uns angchen. Daherwollen wir mit der Ucberzeugung lesen, daß Gott uns selbst
*) 1. Limoth. 4, 13. ") Matth. 11, 28. ***) Röm. IS, 4.