„Vater, heilige sie in Deiner Wahrheit!" gehalten 1550. 209
anrcde, und uns durch diese Stimme belehren, prüfen, auf-^ richten, trösten wolle. Deßhalb leitet ausdrücklich zur Predigtdes Evangelium, zum Lesen und Unhören dieser hochwichtigeAusspruch uns hin, den Paulus aus Mose ausgenommen hat*):„Du sollst nicht sagen: „„Wer will hinaufsteigen^ in den Himmel? Wer will über das Meer setzen?""
Denn es ist das Wort nahe bei dir in deinem Mundei und in deinem Herzen!" Menschliche Gemüther, welche die' Hebungen des Glaubens nicht kennen, fragen sich zweifelnd: Wo-her sollen wir den Willen Gottes wissen ? Wer weiß, auf wensich diese allgemeinen Aussprüche beziehen mögen ? Bon solchenglaubenslosen Gedanken ziehen Mose und Paulus uns ab,und sprechen: Das Wort ist sogar in deinem Munde und, Herzen, und wenn du dieses Wort mit Beifall ergriffen, wirst
i du zuverlässig von Gott angenommen und erhört werden. Nurfei deine Seele Schülecinn dieser Stimme, und wahne nicht, daßsie dich nichts angehe. Ich rede von einer wichtigen Sache, und§ von den Hebungen eines nicht lässigen Glaubens.
Wiele lesen deßhalb weniger, weil sie sich einbilden, die trost-reichen Versicherungen in jenen alten Erzählungen oder Lehrvor-I trägen seien nicht für sie bestimmt. Aber sie sollen bei richtiger
^ Unterweisung lernen, daß gerade diese Anwendung auf uns eineHebung des Glaubens ist, und daß auf solche Weise eben derGlaube geweckt und befestigt werden muß. Du liesest die Worte: **)„Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dichversorgen." Hier bedenke: Mir bietet Gott diesen Trost;Er will, daß ich nicht im Schmerze unterliegen, sondern in Ihmruhen, und von Ihm Hilfe erwarten soll. Als eine Ihm schul-1 dige Verehrung fordert Ec es, anerkannt zu werden, als der,
! welcher wahrhaftig erhört, welcher wahrhaft Helfer, und nicht
eine müßige Gottheit ist, gleich dem gemalten Götterbilde.
Wie schwer aber dieser Kamps ist, das wissen die, welchein solchen Hebungen nicht ganz unerfahren sind. Und die es cin-s mal erfahren haben, lesen dann um so begieriger.
Diese Gründe in Ansehung des Lesens, und diese ganze An-sicht von dem evangelischen Prcdigtamt oft und sorgfältig zu er-wägen, ermahne und beschwör' ich Euch um Eures und desHeils der Kirche willen. Sodann müsse auch die Größe derGefahr uns antreiben, in allen Dingen wachsam zu sein. Bei
*) 5. Mos. 30, 12. **) Pf. 55, LZ.
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