Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198 ucber den Ausspruch Christi: Ich habe für dich gebeten,

Da aber unsre Gefahren jetzt so offenbar vor Augen stehen,so mag wohl die Erwägung derselben Vielen unter Euch sehrbange machen. Denn Ihr seht, daß hin und wieder in den KirchenVerfälschungen der Lehre cingeführt werden, daß fromme Geistlichemit ihren armen schwachen Frauen und Kindlein, ohne Reifegeld, johne Obdach, in der Verbannung umher irren. Hie und da ierwarten manche in der Gefangenschaft ihr letztes Urtheil. !

Da bei so großem Elende entweder gar keine menschliche Hilfe ^oder nur schwache vorhanden ist, an welchem Tröste können wir !uns aufrecht erhalten? Da müssen wir nun wissen, daß die Kirchenicht durch Zufall, nicht lediglich durch menschliche Anschläge ge-sammelt worden ist, sondern daß Gott dem menschlichen Ge-schlechts wahrhaftig sich gcoffenbaret, und als glänzende ZeugnisseSeiner Offenbarung die Auferweckung Verstorbener und andereWunder aufgestellt, und die gewisse Verheißung gegeben hat, Ecwolle dieser Gemeinde, welche über dem Evangelium wacht, stetssich sorglich annehmen, und in dem menschlichen Geschlechts einesolche Gemeinde zu allen Zeiten sich erhalten; Er wolle derFührer und Beschützer unsrer Familien sein, in Verbannung unsSchutz und Obdach gewähren, nach diesem Leben uns in dieliebliche Gemeinschaft des ewigen Vaters und der himmlischen !Kirche versetzen, und die Worte Seiner Verheißungen in unsere !Herzen drücken. Denn so spricht Gott Jesaias 46.*):Ich will ^Euch führen bis in's Alter. - Ich will Euch halten Iund tragen." Und abermals:Wirf dein Anliegen aufden Herrn, der wird dich versorgen!"**) Und der SohnGottes spricht:Alle Haare auf dem Haupte sind ge-zählet."***) Ferner:Ich bin bei Euch bis an der WeltEnde;" ff) und:Wer Mich liebt, der wird Mein

Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben; undWir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihmmachcn."ssss)

Mögen nun auch epikurisch gesinnte Menschen über diese Trö-stungen spotten, und sie für leere Worte erklären, so müsse doch ider Glaube in uns leuchten. Durch unsre Standhaftigkeit wol- ^len wir zu erkennen geben, daß wir wahrhaft an Gott glau- >ben, von Ihm Hilfe bitten und erwarten. Behaupten wir ernst- jlich, daß die Lehre der Kirche nicht erlogen und erdichtet sei, somüssen wir auch von der Wahrheit und Zuverlässigkeit dieser

*) B. 4. ") Ps. 55, 23. ***) Matth. 10, 30. -s) Matth. 28, 20.

-ff) Joh. 14, 23.